What Works on Wallstreet – Ein interessantes Buch mit vielen Zahlen

Ich habe mir zuletzt die deutsche Ausgabe von „What Works on Wallstreet“ geleistet.

Im Netz hatte ich bereits öfters mal darüber gelesen und so wollte ich es einerseits besitzen und andererseits selber mal drin lesen und schauen was da so untersucht wurden ist.

Im Grunde untersucht der Autor verschiedenste Strategien an der Börse. Dabei sind die Grundregeln immer gleich.

  • Jede Strategie fängt 1952 an
  • Jede Strategie hat ein Anfangskapital von 10.000 $
  • Die gekauften Aktien werden 1 Jahr lang gehalten, erst danach wird ein Rebalancing gemacht
  • Es werden nur Informationen genutzt, die jedem Anleger zur Verfügung stehen

Ein kleiner Hinweis noch. Das Buch untersucht zig verschiedene Strategien auf die Rendite, Volatilität, max Drawdown in 50 Jahren und und und … Ich kann euch leider nicht jede Strategie vorstellen, weshalb ich versuchen werde, die wichtigsten Erkenntnisse für euch zusammenzufassen.

 

Was wird alles untersucht?

Am Anfang des Buches werden recht simple Strategien untersucht. So z.B. eine Regelung, das nur Aktien mit einem KUV von unter 1 gekauft werden, welche dazu eine Mindestmarktkapitalisierung haben müssen.

Was ich sehr genial fand war, das die Strategie dabei auf unterschiedliche Unternehmensgrößen hin untersucht wurden sind. Dies war der Frage geschuldet, ob einige Strategien vielleicht bei großen Unternehmen besser funktionieren, als bei kleinen und umgekehrt.

Tatsächlich war es in den verschiedenen Untersuchungen so, das man mit kleineren Unternehmen bessere Renditen einfuhr, aber dies mit mehr Volatilität im Depot bezahlte.

Auch wurden mehrere Faktoren miteinander kombiniert. So wurden z.B. KGV und KUV miteinander kombiniert. So fanden sich immer fundamentale Kennzahlen in der Analyse.

Gerade die einfache Kombination schaffte es, die Renditen erheblich zu erhöhen.

 

Der Renditebringer – die relative Stärke

Als im Buch angefangen wurde, verschiedene Kennzahlen miteinander zu kombinieren, kam auch eine Kennzahl der technischen Analyse hinzu. Die relative Stärke.

Diese brachte den Kombinationen noch einmal erhebliche Performanceschübe ein.

Dabei muss man jetzt keine Angst haben, das man hier irgendwelche Indikatoren nehmen muss. Es wurde ganz einfach gehalten. Wenn wir Unternehmen mit einem KUV unter 1 kaufen wollen, dann nur davon diese, welche im letzten Jahr die beste prozentuale Performance hingelegt hatten.

Das war schon das große Geheimnis bei der relativen Stärke.

Tatsächlich findet man im Buch sehr viele Strategien, mit welchen man dem Markt um längen im betrachteten Zeitraum geschlagen hätte. (Zeitraum war von 1992 bis 2004)

Somit bewies der Autor, das es durchaus möglich ist, den Markt zu schlagen.

Die Strategie, welche mit am einfachsten umgesetzt werden konnte, welche einen passablen Drawdown hatte und ordentliche Gewinne Abwurf, war die Conerstone Strategie.

Geläufiger ist die Strategie unter dem Namen, 3-Filter-Strategie.

Denn die Strategie kommt mit exakt 3 Kriterien aus.

  1. Kurs-Umsatz-Verhältnis kleiner 1,5
  2. Es muss ein Gewinnanstieg zum Vorjahr stattgefunden haben
  3. Es werden die x-Unternehmen gekauft, mit der besten Performance im vergangenen Jahr

Danach werden die Aktien ein Jahr lang gehalten und das Spiel beginnt von vorne.

Umso weniger Unternehmen man aus der Auswahl kauft, umso höher werden die Renditen, aber auch die Schwankungen. Man sollte mindestens 10 Unternehmen zu gleichen Anteilen kaufen.

Ich selbst habe noch ein Demokonto, indem ich ende 2016 diese Strategie mal versuchen wollte… naja, hätte ich mal real gemacht^^ Das Demokonto steht mit 75 % im Gewinn. Nach knapp 1,5 Jahren eine außerordentliche Rendite.

 

Tatsächlich schafft die 3-Filter-Strategie im genannten Zeitraum eine Rendite pro Jahr von 21,16 %.

Der S&P nur eine Rendite von 11,87 % pro Jahr.

 

Die falsche Ansicht von Indexen

Was im Buch auch hervorgehoben wurde ist die Tatsache, das jeder Index an sich auch nur eine Strategie ist. Obwohl man es grundsätzlich weiß, ist es mir da erst so richtig klar geworden.

Dabei wird relativ mit den Leuten aufgeräumt, welche sagen, der Markt kann nicht geschlagen werden. Jedoch ist der S&P auch nur eine einfache Strategie, welche erfolgreich ist. Kaufe einfach die 500 größten Unternehmen aus Amerika. Punkt.

So verhält es sich auch mit Dax und co.

Das Geheimnis weshalb man jedoch meist den Markt nicht schlägt, ist die Undiszipliniertheit der Anleger. Auch dies wird hervorgehoben und ich habe mich dabei selbst wiedergefunden.

Die Indexe ändern nicht jedes Jahr ihre Strategie. Auch nicht wenn es schlecht läuft.

Dies wurde im Buch recht stark thematisiert. Obwohl das Buch bewiesen hat, das es zig Strategien gibt, mit welchen man den allgemeinen Markt schlagen kann, werden nur wenige Anleger diese Strategien fahren.

Warum?

Weil jede Strategie ihre Durststrecken hat. So kam es mehrmals vor, das auch die Cornerstone Strategie schlechter abschnitt, wie der S&P. Jedoch über die Jahre hinweg, entwickelte sich die Strategie um Längen besser.

Womit wir wieder bei der Disziplin wären. Diese ist hinter jeder Strategie, das A und O. Wer noch keine Strategie hat, dem kann ich das Buch wärmstens empfehlen. Den wenn die Strategien, welche untersucht wurden sind, in 52 Jahren gut bis sehr gut performten, warum sollten sie es in der Zukunft nicht auch machen?

Oder glaubt jemand daran, das der S&P oder der Dax auf lange Sicht plötzlich nur noch Verluste einfahren werden?

Das Buch bereitet einem, egal welche Strategie man fahren möchte, extrem gut vor. Es zeigt einem alles Mögliche, was in den 52 Jahren passiert ist.

Da ich selbst ja vorhabe, die 3-Filter-Strategie wieder anzufangen, werde ich demnächst noch einen ausführlichen Artikel darüberschreiben. Dazu werde ich auch die Ergebnisse aus dem Buch mit vorstellen.

 

 

Durch Zweifeln kommen wir nämlich zur Untersuchung; in der Untersuchung erfassen wir die Wahrheit.

Peter Abaelard

Kommentare (3)

  1. „Das Geheimnis weshalb man jedoch meist den Markt nicht schlägt, ist die Undiszipliniertheit der Anleger. Auch dies wird hervorgehoben und ich habe mich dabei selbst wiedergefunden.

    Die Indexe ändern nicht jedes Jahr ihre Strategie. Auch nicht wenn es schlecht läuft.“

    Wenn man deine Beiträge und Gedanken der letzten Jahre verfolgt hat, wird schnell bewusst, dass du dir genau an diesem Punkt selbst im Weg stehst.

    Ich wünsche dir, dass du die mentale Stärke erlangen wirst, auch einmal eine Strategie durchzuhalten.

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  2. Sehr sehr interessant.
    Tatsächlich habe ich für mich entdeckt, dass der Forex-Markt eventuell eine gute Beschäftigung für mich ist, neben dem handel mit Optionen auf Dividenden-Aktien.

    Früher dachte ich auch immer, dass solche Renditen nicht möglich sind, aber heute sehe ich es an mir selbst, wahnsinn wie man sich täuschen kann, wenn man keine Ahnung hat (wie mein jüngeres ich)

    mfG Chri

    Antworten

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