Optionsstrategien – Der Vertical Spread

Vertical Spread

Heute stelle ich euch den Vertical Spread vor, eine Optionsstrategie, welche vor allem für kleinere Konten geeignet ist oder aber für eine hohe Diversifikation gedacht ist.

Eine marginoptimierte Strategie mit definiertem Risiko.

 

Was ist ein Vertical Spread?

Ein vertical Spread ist im Grunde wie ein naked Put oder naked Call, nur mit einer zusätzlichen Absicherung.

Somit muss man weitaus weniger Margin hinterlegen und geht einen Trade ein, welcher ein definiertes Risiko besitzt.

 

Beispiel

Kurs Basiswert  100 $

Short Put Strike  95 $

Long Put Strike   90 $

 

Am Beispiel sehen wir, wie ein vertical Spread aufgebaut ist.

Es wird eine Option, hier ein Put, verkauft. Weiter aus dem Geld entfernt, wird zur Absicherung eine zusätzliche Option gekauft. Wichtig ist, das diese dieselbe Laufzeit wie die verkaufte Option besitzt.

Mit der eingenommenen Prämie der short Option, wird die zu zahlende Prämie der long Option finanziert.

Hierdurch wird die zu hinterlegende Margin extrem gedrückt, da unser maximales Risiko festgelegt ist.

Dies errechnet sich aus

(Differenz der Strikes – eingenommene Prämie) * 100 = maximales Risiko

In unserem Beispiel, bei einer angenommenen Prämieneinnahme von 1 $

(5$ – 1 $) * 100 = 400 $ maximaler Verlust

 

Euer maximaler Verlust ist meist auch ca. die Margin, welche ihr hinterlegen müsst.

Das Schöne an dieser Vorgehensweise ist, das ihr euch auch um Marginerhöhungen weniger Sorgen machen braucht. Während bei naked Optionen die Margin erhöht wird, wenn der Kurs gegen euch läuft und euch das Probleme bereiten kann, passiert dies bei vertical Spreads fast überhaupt nicht.

 

Auswahl des Basiswertes

Die Auswahl des Basiswertes ist bei einem vertical Spread recht einfach.

Wir schauen, das der Basiswert aktuell eine hohe Volatilität aufweist.

Eine IVR von  50 sollte hierbei gegeben sein.

Auch sollten wir darauf achten, das der Basiswert selber nicht zu günstig ist. Als Minimum sollten wir uns hier eine Grenze bei ca. 50 $ pro Aktie setzen.

 

Achtet auch darauf, das die Laufzeit nicht gerade in die Quartalszahlen fallen. Earnings zu handeln, ist eine eigene Strategie und sollte nur mit kurzen Laufzeiten aufgelegt werden.

 

Wie wird der vertical Spread aufgesetzt?

Ich erkläre den vertical Spread hier anhand der Put Seite. Selbstverständlich ist dieser gleichwohl mit der Call Seite umsetzbar und auch kombinierbar. Setzt man die Put und Call Seite gleichzeitig als vertical Spreads auf, bildet man somit einen Iron Condor.

Legende:

P = Put

Oberhalb der Linie = verkaufte Optionen

Unterhalb der Linie = gekaufte Optionen zur Absicherung

Kreis = aktueller Kus

 

Ein vertical Spread ist recht einfach aufzusetzen.

In der TWS von Captrader kann man direkt einen vertical Spread verkaufen. Man kann die beiden Optionen aber auch einzeln aufsetzen, was einen den Vorteil bringt, das man oft bessere Ausführungen an den Börsen erhält.

 

Praxistipp

Ich selbst verkaufe vertical Spreads als kombinierte Optionsstrategie und setze die Optionen nicht einzeln auf.

Sollte man jedoch einen Iron Condor aufsetzten wollen, rate ich dringend dazu, zwei einzelne Verticals aufzusetzen, da sonst die Ausführungen an der Börse zu schlecht wird.

 

Die Laufzeit sollte zwischen 40 – 50 Tagen gewählt werden.

Für die short Option sollte ein Delta von 16 – 20 bzw. die erste Standardabweichung gewählt werden.

Für die long Option muss man schauen. Entweder man wählt den Strike nach dem maximalen Risiko aus, welches man eingehen möchte, oder man schreibt die long Option bei einem Delta von 5 – 10.

 

Das Ganze würde dann folgendermaßen aussehen.

Vertical Bull Put Spread

Unser maximaler Gewinn ist die Restprämie, welche nach dem Kauf der long Optionen übrig bleibt.

Umso weiter die long Option also von unserer short Option entfernt ist, desto höher wird unser maximaler Gewinn. Gleichzeitig steigen aber damit auch der maximale Verlust, sowie die Marginanforderungen an.

 

Gewinnziel des vertical Spreads

Den Spread kaufen wir bei 50% des Restwertes zurück.

Dies bedeutet, wenn wir 100 $ Prämie erhalten haben, schließen wir die Position, wenn wir 50 $ realisieren können.

Ist dies nicht möglich, halten wir die Position bis zum Verfall.

 

Einen Zeitstopp benutzen wir hier nicht. Mit einem Zeitstopp ist gemeint, das wir die Position schließen, wenn diese nur noch 21 Tage bis zum Verfall hat. Dies hat damit zu tun, das der Zeitstopp nur bei Strategien wie dem Strangle oder Iron Condor Sinn machte. Bei naked Puts jedoch nicht, wodurch anzunehmen ist, das der Zeitstopp auch bei vertical Spreads keinen nennenswerten Effekt aufzuweisen hat.

 

Praxisprobleme bei vertical Spreads

Obwohl ich persönlich Spreads liebe, gibt es ein paar Praxisprobleme.

So kann man durch die verringerte Marginanforderung sehr viele Positionen gleichzeitig eröffnen. Dies selbst ist erst einmal kein Nachteil, ganz im Gegenteil. Jedoch, umso größer das Konto wird, umso mehr Probleme hat man, genügend Trades zu finden.

Somit bin ich dazu übergegangen, naked Puts und vertical Put Spreads in Kombination zu handeln. Oftmals schreibe ich Spreads auf Basiswerte, welche im Kurs recht hoch sind oder welche sehr volatil sind. Ich nutze die Spreads also hauptsächlich dazu, meine Margin zu schonen und weniger dazu, mein Risiko zu dezimieren.

 

Auch muss bei Spreads aufgepasst werden, das man nicht übertradet. Ein Spread hat einen kleinen fiesen Makel, welcher sehr schnell zu einem Margincall führen kann.

Denn, wenn ihr nicht adjustiert und der Kurs steht zwischen eurer short und long Position und die short Option wird angedient, explodiert plötzlich eure Margin.

Denn ihr müsst dann die komplette Margin der Aktien übernehmen. Somit kann es schnell passieren, wenn ihr bereits eine hohe Marginauslastung habt, das ihr von eurem Broker den netten Hinweis erhaltet, das ihr einem Margincall unterliegt. Bitte darauf achten.

Um dies zu verhindern, zeige ich euch nun verschiedene Adjustierungsmöglichkeiten.

 

Vertical Spread – Adjustierung

Legende:

P = Put

Oberhalb der Linie = verkaufte Optionen

Unterhalb der Linie = gekaufte Optionen zur Absicherung

Kreis = aktueller Kus

Ich zeige euch die Adjustierungen an der Put Seite. Selbstverständlich sind diese auch auf der Call Seite möglich.

 

Praxistipp

Die Callseite ist meist etwas schwieriger zu adjustieren, da mit steigenden Kursen die Volatilität sinkt und somit auch die Preise der Optionen.

Bull Put Spread

Hier noch einmal der Grundaufbau des Spreads.

Ich selbst richte mich nicht mehr nach dem Preis der Optionen. Ich habe mir angewöhnt erst zu adjustieren, wenn der Kurs den Strike der short Option erreicht hat.

Vertical Spread

Sollte der Kurs nun den Strike unserer short Option berühren, haben wir mehrere Möglichkeiten zur Adjustierung zur Auswahl. Hierbei sollte man auch darauf achten, wie weit die long Option entfernt ist.

 

Adjustierung, wenn long Option nur für Marginreduzierung gedacht war

Wenn die long Option nur zur Marginoptimierung gedacht war, ist diese meist recht weit von unserer short Option entfernt. Hier haben wir nun zwei Möglichkeiten, den Trade zu adjustieren.

 

Die erste Möglichkeit wäre, einen weiteren Call gegen unsere Position zu verkaufen. Dies würde zu zusätzlichen Prämieneinnahmen führen und unseren maximalen Verlust weiter absenken.

Es gäbe auch die Möglichkeit, direkt einen Call Spread aufzusetzen und somit einen Iron Condor zu bilden.

Vertical Spread Iron Condor

Die zweite Möglichkeit wäre, den Put selbst zu rollen.

Hier kommt es darauf an, wie viel Restlaufzeit die Optionen noch haben und sich ein Rollen des short Put noch lohnt.

Wenn nicht, müsste man den kompletten Spread rollen.

Vertical Spread Adjustierung

 

Adjustierung, wenn long Option für Absicherung gedacht war

Interessanter werden die Adjustierungen dagegen, wenn die long Option tatsächlich für das minimieren des maximalen Verlustes gedacht war.

Oftmals ist dann die long Option relativ nahe an der short Option, was uns bei den Adjustierungen neue Möglichkeiten eröffnet.

So kann man die Adjustierungen von oben hier genauso anwenden, aber man hat auch die Möglichkeit, den Trade so zu adjustieren, das der maximal mögliche Gewinn sogar mit ansteigt.

Hat der Kurs den Strike unsere short Option erreicht, wird die long Option bereits einen guten Teil der Buchverluste abgefangen haben, da die long Option in ihrem Wert angestiegen ist.

Je nach dem, wie weit die long Option von unserer short Option entfernt ist, müssen wir die Adjustierung in zwei Schritten vornehmen.

Die erste Adjustierung würde beudeten, das wir unsere short Option nur im Preis weiter nach unten rollen.

Sollte der Kurs nun weiterhin gegen uns laufen, oder die long Option direkt nahe genug an der short Option dran sein, können wir die short Option hinter die long Option rollen.

Vertical Spread Adjustierung

Diese Art der Adjustierung hat natürlich Vor- und Nachteile.

 

Die Vorteile sind, das wir sofort keine Margin mehr hinterlegen müssen. Dies liegt daran, da unsere short Option direkt von der long Option gesichert wird.

Ein weiterer Vorteil ist, das wir hier, im Grunde, einen Poor Man Covered Put gebildet haben. Dies bedeutet, wenn der Kurs nun weiter fällt, verdienen wir damit Geld. Ab jetzt würden wir es uns wünschen, das der Strike der short Option nochmal erreicht wird, da dies unseren maximalen Gewinn steigern würde.

Diese Art der Adjustierung ist deshalb sehr zu empfehlen, wenn ihr davon ausgeht, das der Kurs der Aktie ihre eingeschlagene Richtung weiter fortsetzen wird.

Jedoch gibt es auch Nachteile dieser Adjustierung.

Der erste Nachteil ist, das ihr euren maximalen Verlust, welche ihr erleiden könnt, oftmals erhöht! Gerade wenn ihr nicht direkt hinter eure long Option rollen könnt, ist die Gefahr hoch, das ihr in Summe mehr Verlust macht, wie ursprünglich maximal möglich war.

Deshalb empfehle ich diese Adjustierung tatsächlich nur, wenn ihr es schafft, mit einmal Rollen, direkt hinter die long Option zu kommen.

Der zweite Nachteil ist, das der Kurs auch wieder drehen kann und ihr sinnlos gerollt habt. Ihr könntet dann natürlich die short Option wieder im Preis Richtung Kurs rollen. Hier ist es entscheidend, wie hoch die Restlaufzeit noch ist.

 

Tastytrade zum Beispiel, adjustiert vertical Spreads überhaupt nicht, da der Verlust definiert ist.

 

 

Zusammenfassung Vertical Spread:

 

Volatilität

Hoch

Tradeausrichtung

Put Spread Bullish

Call Spread Bearish

Credit oder Debit Trade

Credit

Gewinnziel

50 % der Ursprungsprämie

Verlustpotential

Abstand short Strike zu long Strike abzüglich eingenommener Prämie

Adjustierung

mittel

Gewinnpotential

Ursprünglich auf die Prämie begrenzt

Nach Adjustierung kann Gewinn auch höher als Ursprungsprämie ausfallen

Anzahl an Optionen in Strategie

2

Breakevenberechnung

Short Strikekurs +/- eingenommene Prämien

Schwierigkeitsgrad

Einfach

Geeignet für Konten

Ab 5.000 €

Gebührenbelastung

niedrig

 

 

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