Gedanken zum Optionshandel – Teil 2

Futureoptionen

Ich schrieb zuletzt bereits einmal über ein paar Gedanken, welche ich mir zum Optionshandel machte.

Dies möchte ich nun fortsetzen. Ich möchte aber darauf hinweisen, das ich weder riesige Backtests gemacht habe, oder sonst etwas. Es sind einfach Gedanken, welche ich mit euch teilen möchte.

Der Auslöser des Ganzen ist nach wie vor die Volaexplosion, welche wir erlebt hatten.

 

Ist es realistisch mit short Optionen dauerhaft Geld zu verdienen?

Eine seltsame Frage oder? Gerade von mir!

So war ich doch die ganze Zeit ein Verfechter von Optionen. Nun, um die Frage kurz zu halten.

Ja, es ist möglich! Tastytrade beweist dies immer wieder mit Studien.

Aber

Man muss oftmals gewaltige Drawdowns aushalten, auch wurden die Studien sehr oft nur an dem S&P durchgeführt.

Nichtsdestotrotz denke ich das man mit dem Schreiben von Optionen langfristig Geld verdienen kann. Aber reich oder unabhängig wird man wahrscheinlich nicht!

Denn man hat folgende Probleme.

Die Gewinnmitnahmen werden normalerweise bei 50 % des maximalen Gewinns gemacht. Soweit so gut. Dies führt dazu, das die Trefferquote sich erhöht, also die Wahrscheinlichkeit, das der Trade ein Gewinner wird.

Nun kann man aber recht wenig machen, wenn sich ein Trade schnell gegen einen entwickelt. Ja Rollen ist eine Option. Durch das Rollen vermindert man meist seine Verluste.

Viele werden aber, bzw. haben zuletzt auch, 10 – 20 % ihres Kontos verloren. Nur durch die Vola! Der Markt selbst ist nicht mal sehr extrem zusammengebrochen.

Nun hat dies bei vielen die Gewinne des letzten Jahres vernichtet, teilweise auch mehr.

 

Mit der Zeit kann man dies sicherlich wieder verdienen. Aber richtig in den Gewinn werden die Meisten erst nächstes Jahr wieder kommen. Denn denkt dran, verliert man z.B. 50 % seines Kontos, muss man eine Performance von 100 % machen, um wieder bei der Ausgangssituation zu sein.

 

Leicht enttäuscht habe ich nun einen kleinen Kunstgriff bei den Profis mitbekommen.

Um die realen Verluste schneller wieder aufzuholen, wurde Geld auf die Konten nachgeschossen. Der Verlust also mit Barmitteln ausgeglichen.

Dies ist nicht für jeden möglich. Nicht jeder will das! Auch verfäschlt es das Gesamtbild, finde ich.

Aber was soll man nun machen?

 

Entweder, oder

Nun, wie bereits gesagt, man kann das Trading an sich als langfristiges Ziel ansehen. Das hierbei aber jemand denkt, durch das Trading in ein paar Jahren finanziell unabhängig zu sein… den Traum kann man vergessen.

Ich habe in der TWS viel herum probiert und mir die Performanceprofile verschiedener Strategien angesehen.

Die TWS ist so nett und rechnet mir meine Gewinnwahrscheinlichkeit aus, sowie die Wahrscheinlichkeit eines maximalen, auf die Strategie bezogenen, Verlustes.

Auch rechnet sie mir aus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des maximalen Gewinnes ist.

 

Ich habe nun einfach angenommen, das diese Wahrscheinlichkeiten langfristig stimmen. Sicher gibt es mal bessere, mal schlechtere Zeiten.

Interessant bei meinen einfachen Berechnungen war, das fast keine Optionsstrategie einen positiven Erwartungswert besitzt. Zumindest nicht, wenn man die Aktien nicht haben will bzw. risikobewusst tradet.

Weder naked Options, noch Spreads konnten einen positiven Erwartungswert erfüllen.

Ich weiß, viele werden sich jetzt sagen „was für eine Milchmädchenrechnung“.

Vielleicht.

Fakt ist aber, das ihr mit dem Verkauf von nackten Optionen, sehr schnell, sehr viel Geld verlieren könnt und nur langsam zurückbekommt.

 

Aber was sollte man dagegen machen? Dies ist nun mal die Natur von Optionen.

Mich selbst hat es weiter in der Abzahlstrategie bestärkt, da die nackten Optionen gedeckt sind. Somit die Margin sicher ist und ich mich andienen lasse, da dies zu der Strategie dazugehört.

Auch werden Optionen gegenseitig gesichert.

Für das Trading selber fahre ich gerade zwei kleine Tests.

 

Hohe Gewinnwahrscheinlichkeit mit definiertem Risiko

Ich habe bei meinen Spielereien eine kuriose Kombi an Optionen aufgesetzt. Die TWS nennt es einen Short Iron Condor.

Im Grunde kauft man zwei Optionen, welche am aktuellen Kurs liegen und verkauft ein oder zwei Strikes entfernt dazu die passenden Optionen.

Setzt man diese Kombo auf, bezahlt man eine Prämie. Diese ist gleichzeitig der maximale Verlust.

Laut TWS ist die Wahrscheinlichkeit für den maximalen Verlust bei 0%. Das dies nicht ganz stimmt, da es immer ein gewisses Restrisiko gibt, ist klar. Aber es geht gegen 0.

Der maximale Gewinn ist immer sehr viel geringer, wie der mögliche Verlust. Er bewegt sich, nach Gebühren, bei ca. 20 €. Je nach Basiswert können es auch 50 € sein. Umso weiter die verkauften Optionen vom aktuellen Kurs entfernt sind, umso höher kann der Gewinn ausfallen. Aber die Gewinnwahrscheinlichkeit fällt dabei recht schnell.

Jetzt kommt aber das Interessante. Die Gewinnwahrscheinlichkeit liegt zwischen 70 – 90 %. Die Wahrscheinlichkeit des max. Gewinns ist nur einige Prozent unter der Gewinnwahrscheinlichkeit an sich.

Setzt man diese Kombo auf, muss sich der Kurs nur wenige Prozent in irgendeine Richtung bewegen und da letztendlich schließen. Adjustierungen machen keinen Sinn und sind auch unnötig.

Von diesen short Iron Condors habe ich testweise zwei Stück aufgelegt.

 

Jedoch möchte ich nicht nur diese Variante probieren.

Ich schrieb schon einmal davon, das ich ein 5 Sterne Setup habe.

Bisher schrieb ich bei eintreten dieses Setups immer Puts am Delta 30. Dies werde ich nun ändern.

Anstelle Puts, oder halt Calls, zu schreiben, werde ich einen PMCC oder PMCP aufsetzen. (poor man covered call / put)

Ich werde also versuchen, direkt an den Kurssteigerungen oder Verlusten, zu antizipieren.

Meine Verluste sind auch hier gedeckelt, durch die zu zahlende Prämie für die long Option. Diese Prämie wird aber nie der tatsächliche Verlust werden, da weiterhin short Calls dagegen geschrieben werden.

Das Gewinn-Risiko-Profil sieht also völlig anders aus, wie man erst vermuten möchte. Ich habe seit letzten Jahr einen PMCC laufen, welcher komplett nach hinten losging. Trotzdem ist der eigentliche Verlust recht gering, wenn man die verkauften Calls dagegen rechnet.

Etwas das ich hierbei auch noch versuchen werde, ist eine rechnerische Möglichkeit zu finden, das man gar keinen Monat mit Verlust abschließen kann. Hierzu muss ich aber noch ein paar Rechnungen durchgehen, bevor ich die Idee mit euch teile.

 

Seitenwechsel?

Was ich hier schreibe klingt stark nach einem Seitenwechsel oder?

Dem kann ich nicht einmal widersprechen.

Von Optionen selber bin ich nach wie vor überzeugt. Sie sind ein geniales Werkzeug, gerade wenn man Aktien über sie kaufen will oder eine zusätzliche monatliche „Dividende“ auf Aktienpositionen im Depot erzeugen will.

Aber ich bin nicht mehr davon überzeugt, das ich Optionen weiterhin verkaufen möchte, in der Hoffnung, das der Markt steigt.

Die Überlegung dazu ist meist einfach. In einem Bullenmarkt, in den man Puts verkauft und bei 50% Gewinn zurückkauft, kann man auch einen Call kaufen und einen Call mit höherem Strike dagegen verkaufen. Der Verlust ist meist minimal, der Gewinn aber höher als bei dem Put, selbst wenn man diesen verfallen lassen würde.

 

Wie anfangs geschrieben, ist dies meine Meinung, meine augenblicklichen Überlegungen.

Kommentare (13)

  1. Hallo Martin,

    bei der Korrektur haben nur die Probleme bekommen, die mit zu hoher Marginauslastung unterwegs waren und Optionen zurückkaufen mussten oder Wetten auf die Vola am laufen hatten.

    Viele Grüße,
    Robert

    Antworten
    • Die Frage ist, was ist eine zu hohe Marginauslastung? Meine war bei knapp 40 % und ich hatte Probleme bekommen, als die Vola hochging. So musste ich mehr Margin hinterlegen und die Optionen auch zurückkaufen, da ich die dazugehörigen Basiswerte nicht wollte.

      Antworten
  2. Hallo Martin,

    könntest du diese Art IronFly mal an einem Beispiel nachstellen oder visualisieren wie du es sonst immer machst?

    Grüße der Rüganer

    Antworten
  3. Wie bist du auf den Erwartungswert gekommen, der überall negativ sein soll? Mir erschließt sich deine Argumentation nicht.

    „Viele werden aber, bzw. haben zuletzt auch, 10 – 20 % ihres Kontos verloren. Nur durch die Vola! Der Markt selbst ist nicht mal sehr extrem zusammengebrochen.“

    Wenn sich der Kurs nicht bewegt hat, wieso hast du dann überhaupt etwas verloren? Dann hattest du maximal Buchwertverluste durch steigende Prämien, die man bei angemessener Margin aber aussitzen kann. Solang sich der Kurs (Delta) nicht zu stark gegen dich bewegt, stehst du dann automatisch besser da, als vor dem Kursrückgang.

    Deine Aussage, dass „Profis“ Geld nachschießen, ist auch sehr allgemein. Man kann auch ohne Geld nachzuschießen aus den Turbolenzen rauskommen. Der Markt ist seit 2 Jahren linear gestiegen und jetzt kam ein kleines Korrektürchen.

    Ich vermute, dass du dich von der Einfachheit der letzten Monate hast blenden lassen?

    Antworten
    • Grüß dich,

      nun ich sprach eher allgemein vom Gesamtmarkt. Es gab ja schon recht viele Einzelwerte, welche auch schnell runterkamen. Die Vola selbst machte es dann natürlich nicht einfachen.
      Vielleicht habe ich mich tatsächlich blenden lassen. Wie gesagt, mit fallenden Kursen oder steigender Vola hatte ich keine Probleme (Einzelwerte) aber die Kombi war hart.

      Gerade weil es nur eine kleine Korrektur war, mahne ich ab jetzt auch mehr zu Achtung. Bei einer richtigen Korrektur, welche uns meiner Ansicht nach noch bevorsteht, wird sich das Bild nochmal verhärten.

      Antworten
      • Ja, ich habe meine Lektion 2015 gelernt. Die war auch hart! Im Vergleich war das im Februar eher ein Sturm im Wasserglas. Das Depot ging zwar zwischenzeitlich gut runter, aber beim Blick auf die Kurse wurde dann klar, dass keine Gefahr besteht. Allerdings hatte ich Angst davor, dass sich 2015 wiederholt. In so einer Situation muss man auf das Delta reagieren und kommt immer schwerer ohne Verluste davon.

  4. Hallo Martin,

    habe ich dich im Grunde richtig verstanden, das es vielleicht erfolgreicher sein könnte vertical Spreads oder IC zu kaufen anstatt zu verkaufen?

    Antworten
    • Jaein^^
      Zumindest bei dem IC steigt die Gewinnwahrscheinlichkeit sehr stark an. Wobei ich sagen muss, das die TWS das als Iron Condor bezeichnet. Im Grunde ist es ein Iron Fly, nur verkehrt herum aufgesetzt.
      Bei den Spreads ist es ähnlich, jedoch muss man hier schon mit dem Trend handeln. Wenn der Markt seitwärts läuft schafft man vielleicht ein 0 Spiel. Jedoch keine vertical Spreads, sondern eher calendar spreads

      Antworten
    • Ich werde mein Trading auch umstellen, allerdings ist bei mir der Schwerpunkt der DAX Index, den ich nun über Spreads IC mit entsprechender Laufzeit (6 Monate ) kaufe!
      Habe nach den letzten Pleiten auch Zweifel an verkauften Optionen bekommen

      Antworten
  5. Hallo,

    m.E. gibt es bei Optionsstrategien zwei Quellen für positive Erträge: positives Delta und eine Volaprämie. Es ist sehr wahrscheinlich, dass im TWS beides nicht berücksichtigt wird, sondern der TWS einfach davon ausgeht, dass in die Optionen eine Vola eingepreist ist, die später auch realisiert wird und dass der Markt keinen Trend hat.
    Damit will ich auf keinen Fall sagen, dass eine hohe Marginauslastung der beste Weg ist. Die hohen Renditen, die einige Optionshändler erzielen, sind die Folge hoher Hebel und nicht die Folge von Alpha. Hohe Hebel wirken sich jedoch langfristig renditesenkend aus, wie du schon erkannt hast (man braucht überproportional lange um hohe Verluste auszugleichen).
    Die Konsequenz, die ich aus daraus gezogen habe, ist, dass ich ATM Puts schreibe und zu 80% mit Barmitteln absichere.

    Antworten
  6. Hallo Martin.

    Na endlich wirst du vernünftig 😉 Haha, kleiner Scherz.
    Aber ich sehe das wie du hier geschrieben hast. für mich macht es einfach den größten Sinn Optionen auf Aktien zu schreiben, die ich irgendwann haben möchte, und mir somit über die Prämien genug Geld zu erwirtschaften, dass ich sie damit bezahlen kann.

    Gibt für mich nichts genialeres. 🙂
    Ich werde so weitermachen wie eh und je, und mir somit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine goldene Nase verdienen. 🙂

    mfG Chri

    Antworten
    • Grüß dich Chri,

      ja deine Strategie ist eine der sinnvollsten. Es gibt natürlich trotzdem unglaublich viele Möglichkeiten. Meine Abzahlstrategie z.B. arbeitet ja auch ein klein wenig anders.

      Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*