Der PMCC mal anders

Poor Man's Covered Call

Viele von euch kennen sicher den Poor Man Covered Call. Den PMCC stellte ich selbst mit als erster im deutschsprachigen Raum vor.

Einige folgten danach.

Heute möchte ich den PMCC mal in einer, sagen wir es, abgewandelten Variante vorstellen.

Und zwar so, wie ich diesen aktuell tatsächlich in mehreren Basiswerten handle.

 

Der PMCC wie in jeder kennt

Ein PMCC ist ein bullischer Optionstrade.

Hierzu wird eine long Call Option gekauft. Diese muss tief im Geld sein und eine recht lange Laufzeit aufweisen. Empfehlenswert ist ein Delta von ca. 80 und höher, sowie eine Laufzeit von 90 – 150 Tagen. Das Delta dient dazu, das die Option Kurssteigerungen fast eins zu eins mitmacht.

Dafür wird ein hohes Delta benötigt, das sich dies auch im Optionspreis niederschlägt.

Merke:

Das Delta sagt uns aus, wie viel sich die Option verteurern/verbilligen wird, wenn sich der Basiswert um 1 ändert.

Steigt eine Aktie also um 1 $, mit Multiplikator von 100 also um 100 $ und wir haben eine long Call Option mit Delta 80, verteuert sich diese dabei um 80 Cent. Mit dem Multiplikator also um 80 $.

Da das Delta so hoch ist, haben solche Optionen nur wenig Zeitwert. Um den Zeitwert nicht zu verlieren, wird ein Call mit höherem Strike und kürzerer Laufzeit verkauft. Dieser soll den Zeitwert der long Call Option decken.

Steigt der Kurs nun über den short Call, werden die Verluste des short Calls durch den long Call abgesichert. Wird der short Call angedient und wir bekommen 100 Aktien short eingebucht, dann stellen wir diese Position glatt und verkaufen zusätzlich unseren long Call.

Die Differenz aus all dem, sollte in Summe zu einem Gewinn führen.

Praxistipp

Einen PMCC eröffnet man im besten Fall in einem Basiswert, bei dem die IVR/IVP aktuell recht niedrig ist. Somit zahlt man weniger Risikoaufschlag

 

Das Risikoprofil des klassischen PMCC

Bei einem PMCC kann man nur so viel verlieren, wie man für den long Call an Prämie gezahlt hat. Hiervon zieht man noch die eingenommene Prämie der verkauften Calls ab.

Nichtsdestotrotz kann man viel Geld verlieren.

Dadurch das man Optionen kauft, welche ein hohes Delta aufweisen, haben diese einen großen intrinsischen Wert. Fällt der Basiswert, fällt die Option ebenfalls recht schnell.

So hat man sehr schnell, recht hohe Risiken. Das Gewinn-Verlust-Potential ist oft negativ.

In einem Bullenmarkt wird man trotzdem gutes Geld verdienen.

Fällt der Markt, hat man schnell ein Problem, wie wir es im Februar hatten. Jedoch diesmal nicht wegen der Volatilität, sondern wegen dem Hebel, mit dem Optionen arbeiten.

In einem klassischen PMCC sind auch Adjustierungen etwas schwierig. So kann man seine Verluste grundsätzlich nur über den Verkauf von Calls reduzieren.

Somit gehe ich einen eher unkonventionellen Weg, bei dem PMCC.

 

Der PMCC – meine Variante

In meiner Variante kaufe ich keinen Call, welcher tief im Geld ist. Ich kaufe Calls, welche genau am Geld sind, also am aktuellen Kurs, oder leicht darüber.

Ebenso kaufe ich die Calls mit einer Mindestlaufzeit von 130 Tagen. Oftmals lohnt sich der Blick auch auf eine Laufzeit von 200 – 250 Tagen. Diese Optionen kosten meist nur wenig mehr, geben einem aber fast doppelt so viel Laufzeit. Diese wird für uns noch wichtig.

Der Grundaufbau sieht also folgendermaßen aus:

Legende:

C = Call

P = Put

Oberhalb der Linie = verkaufte Optionen

Unterhalb der Linie = gekaufte Optionen zur Absicherung

Kreis = aktueller Kus (rot eingefärbt = 100 Aktien short im Depot)

Poor Man Covered Call

Der long Call hat eine Laufzeit von mindestens 130 Tagen. Bei dieser Laufzeit fällt das Theta, welches den Zeitwertverlust darstellt, noch nicht so stark ins Gewicht.

Der short Call dagegen hat eine maximale Laufzeit von 45 Tagen. Teilweise können sich auch noch niedrigere Laufzeiten lohnen, vor allem dann, wenn sich der Basiswert in die gewünschte Richtung bewegt.

 

Bis hierhin kann man fast keinen Unterschied erkennen. Wahrscheinlich sogar eher den Nachteil, das man ein Haufen Zeitwert bezahlt, da man direkt am Kurs eine long Option kauft. Wir wissen ja, der Zeitwert ist bei den Optionen, welche am aktuellen Kurs sind, am Höchsten.

 

Bei meiner Variante des PMCC muss man jedoch den gesamten Trade, über die komplette Laufzeit hinweg, betrachten.

Schauen wir doch mal, was alles passieren kann.

 

Worst Case – Die Aktie stürzt 50 % und mehr ein

 Ich möchte direkt mit dem schlimmsten Fall anfangen. Was ist, wenn die Aktie einfach von heute auf morgen komplett zusammenbricht?

Nun, unser short Call wäre wertlos. Diese Prämie könnten wir also ohne Probleme einnehmen. Leider wäre dann auch unser long Call fast komplett wertlos.

In diesem Fall heißt es tatsächlich, warten und hoffen. Hier können wir nichts mehr machen. Wir könnten nur hoffen, das die Aktie einen schnellen Rebound macht. Aber im Grunde sollten wir den Trade als Totalverlust innerlich abschreiben.

Der Vorteil jedoch ist, das wir nicht pleitegehen können. Unser maximaler Verlust ist die gezahlte Prämie des long Calls, abzüglich der eingenommenen Prämie des short Calls.

 

Variante 1 – die Aktie steigt moderat

Gehen wir mal davon aus, die Aktie steigt moderat an. Sie schließt aber am Ende der Laufzeit des short Calls unter dessen Strike.

Was wäre mit unseren Optionen passiert?

Der short Call würde wertlos verfallen, wir könnten also die komplette Prämie einnehmen.

Und der long Call? Auch dieser hätte an Wert gewonnen, da er die Bewegung des Basiswertes mitmacht.

Der Zeitwertverlust des long Calls wäre vernachlässigbar, da der short Call diesen auf jeden Fall aufgefangen hätte.

Tritt diese Variante ein, können wir den Trade mit hoher Wahrscheinlichkeit im Gewinn schließen.

Ich rate aber davon ab. Wir nutzen den long Call nämlich, um monatliche Einnahmen zu generieren.

Denn nun verkaufen wir einfach einen weiteren short Call, mit höherem Strike.

PMCC

Theoretisch machen wir das über die komplette Laufzeit des long Calls. Verfällt dieser dann letztendlich, bekommen wir 100 Aktien eingebucht, welche massiv im Gewinn sind. Diese verkaufen wir sofort wieder, um diesen Gewinn zu realisieren.

Somit könnten wir über die ganze Laufzeit des long Calls, einnahmen über die short Calls erzielen und zum Schluss noch einen riesigen Bonus durch den long Call selber.

 

Dies wird so aber wahrscheinlich alle 100 Trades einmal vorkommen. Also müssen wir uns Gedanken machen, was wir unternehmen, wenn der Strike des short Call überboten wird.

 

Variante 1.1 – short Call wird angedient

PMCC Adjustierung

Gehen wir davon aus, das irgendwann der Basiswert so stark steigt, das dieser den Strike des Calls überbietet.

Was machen wir dann? Der Verlust wird vom long Call aufgefangen.

Wenn es uns reicht, könnten wir nun den short Call andienen lassen. Wir würden 100 Aktien short eingebucht bekommen. Diese Position könnten wir direkt glattstellen, indem wir 100 Aktien kaufen und gleichzeitig würden wir den long Call verkaufen.

Haben wir alles richtig gemacht, bleibt ein Gewinn.

 

Doch was könnten wir noch machen?

In meiner Variante würden wir uns den short Call andienen lassen. Wir würden 100 Aktien short gehen. Steigt die Aktie weiter, würde der Verlust der Shortposition vom long Call gesichert werden.

Somit haben wir kein Marginproblem.

 

Was würde ich nun vorschlagen? Ich würde am alten Strike unseres short Calls nun einen Put verkaufen. Vielleicht sogar einen Strike tiefer.

Warum?

Der Put ist gedeckt! Wir nutzen optimal die Margin aus.

Fällt der Aktienkurs wieder, würden die Verluste des short Put über unsere short Position in den Aktien aufgefangen werden. Wir könnten hier also risikolos die Prämie des Puts mitnehmen. Wir haben einen covered Put.

PMCC Adjustierung Put

Steigt die Aktie, können wir ebenfalls die Prämie des Puts einnehmen. Pendelt die Aktie, gewinne wir auch die Prämie des Puts.

In diesem Fall ist es sogar zu überlegen, ob man auf wöchentliche Optionen runter geht.

Einziger Nachteil wäre, wenn die Aktie wieder fallen würde, das auch unser long Put wieder an intrinsischen Wert verlieren würde. Ziel ist es jedoch für uns, den ursprünglich bezahlten Betrag für den long Call einzunehmen.

 

Sobald unsere short Aktien durch den Put wieder ausgebucht wären, würden wir wieder mit Variante 1 beginnen.

 

 

Variante 3 – Kurs fällt unter Strike des long Calls

PMCC

Dies ist tatsächlich ein wahrscheinliches Szenario am Anfang.

Der short Call verliert an Wert, bis er Wertlos verfällt. Um unseren long Call würde ich mir erst einmal keine größeren Sorgen machen. Dieser hat ja sehr viel Laufzeit! Deshalb schaut ruhig mal nach 200 Tagen Laufzeit. Diese kosten meist nur 100 Dollar mehr, wie die Optionen mit 130 Tagen Laufzeit.

Wir spielen in diesem Szenario etwas auf Zeit. Wir hoffen das unsere Analyse korrekt war und sich der Kurs wieder erholen wird.

Bis es soweit ist, verkaufen wir aber munter weiter short Calls! Die magische Grenze sollte dabei aber der Strike des long Calls sein.

Unter diesem bitte keine Calls verkaufen. Denn die Calls lassen wir immer einfach auslaufen.

 

Mitrechnen ist wichtig

Bei meiner Variante des PMCC ist der Trade erst zu ende, wenn der long Call verfällt.

In dieser Zeit müssen wir über das Schreiben von short Calls, short Puts und durch Kurssteigerungen, mindestens den anfangs gezahlten Zeitwert verdient haben.

Wenn alles aufgeht, haben wir in der kompletten Zeit des Trades einen monatlichen und recht risikofreien Cash Flow erhalten. Zusätzlich am Laufzeitende des long Calls sollten wir Aktien eingebucht bekommen, welche im Gewinn sind.

 

Doch was ist, wenn folgendes wäre?

Wir haben einen long Call gekauft und dafür 500 $ bezahlt. Die Aktie müsste am Ende der Laufzeit mindestens 5 $ gestiegen sein, nur um das die Option bei plus/minus 0 rauskommt. Was wäre aber, wenn die Aktie nur 3 $ gestiegen ist?

Ist deshalb der Trade ein Verlierer? Nein. Denn wir hätten Monat für Monat Einnahmen über die short Optionen eingenommen.

Es ist deshalb wichtig, das ihr euch dokumentiert, wie viel Prämie ihr bereits eingenommen habt und was euer Restrisiko ist.

Hierzu gebe ich euch meine eigene Exceltabelle mit auf dem Weg. Mit dieser kontrolliere ich selbst den aktuellen Stand meiner PMCC.

Selbstverständlich ist das Ganze auch umgekehrt, über einen Poor Man Covered Put realisierbar. Achtet in der Tabelle bitte darauf, eine 1 für einen PMCC und eine 0 für einen PMCP einzugeben. Ansonsten laufen die Berechnungen über den aktuellen Breakeven falsch ab.

 

Tradetagebuch für PMCC

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