Der größte Feind der Börse – dein eigenes Ego

Man kann viel im Internet lesen, was die größten Fehler an der Börse sind, welche Anfängerfehler man vermeiden sollte und so weiter..

Doch man liest selten, wer der größte Feind ist, dem du dich stellen musst. Egal ob Buy and Hold Investor oder Trader. Alle haben den gleichen Feind. Nämlich sich selber, um genauer zu sein, das eigene Ego.

Vielleicht klingt das erst einmal zum Schmunzeln, aber alle großen Fehler, welche man an der Börse begehen kann, begehen wird und vor denen gewarnt werden, haben ihren Ursprung im eigenen Ego.

 

Das Problem mit dem Ego

Wir Menschen sind ganz einfach so gestrickt, das wir nicht gerne versagen. Wenn man an der Börse falsch liegt, Kurse gegen einen laufen, Analysen nicht aufgehen, dann wird dies als Versagen empfunden.

Ich kenne niemanden, der dagegen gewappnet ist.

Unser eigenes Ego will nicht zulassen, das wir uns eingestehen müssen, das wir falsch lagen. Das unsere Strategie vielleicht einfach nur Mist ist. Um uns selber also zu beweisen, wie toll wir sind, kommen dann typische Fehler zu tage.

So wird z.B. die Stopp-Order, welche unsere Verluste begrenzen soll, aus dem Markt genommen.

„Der braucht nur ein wenig Platz. Ihr werdet schon sehen, das geht bald wieder hoch“

Oder es wird mit immer größeren Positionen dagegengehalten.

„Der Kurs ist zwar eingebrochen, aber ich weiß, das ich recht habe. Ich verbillige einfach und verdopple meine Position“

Vielleicht aber hat man auch Verluste realisiert, will diese aber nicht akzeptieren und überträgt das Risiko nur auf einen anderen Wert. Dann passiert es schnell, das man mit zu großem Risiko, neue Trades eröffnet.

 

Das Problem bei Letzteren ist dann, wenn es aufgeht. Dann wurde das Ego bestätigt und das nächste Mal macht man es dann wieder genauso. Oftmals kommt dann irgendwann das böse Erwachen und es geht nicht mehr auf. Das Konto muss dann erhebliche Verluste einstecken, teilweise bis hin zum Totalverlust.

 

Mir kann das nicht passieren

Wer von sich selbst behauptet, das ihm das nicht passieren kann, ist entweder bereits viele, viele Jahre an den Märkten unterwegs und hat wirklich schon alles mitgemacht oder er ist einfach nur Naiv.

Die Erfahrung zeigt, das die Leute dann meist einfach Naiv sind.

Trader wissen um die Gefahr, nehmen diese aber lange Zeit nur zur Kenntnis, bis das Ego mal zuschnappt.

Buy and Hold Investoren ignorieren meist die Gefahr des eigenen Egos massiv, da sie ihre Bestände ja „ewig“ halten wollen. Leider kennen auch die meisten Buy and Hold Investoren bisher nur kleine Korrekturen, was die Aussage „ich halte ewig und der Preis ist mir egal“ einfach über die Lippen kommen lässt.

Denn wenn man erst einmal sieht, wie die Kurse einstürzen, das Konto sich vielleicht halbiert, kann man sehr schnell das Ganze persönlich nehmen.

Denn auch hier ist die Frage, was machen Buy and Hold Investoren, wenn die Gewinne einbrechen. Zwangsweise wird dies passieren, wenn die Märkte breit einbrechen. Normalerweise legt sich dies dann sehr schnell auf die Realwirtschaft nieder.

Was dann? Darauf verlassen das man die richtigen Unternehmen gekauft hat, welche immer Geld verdient hatten? Die kommen schon wieder hoch? Etwa wie Nokia?

Viele wünschen sich ja, die zukünftige Microsoft, oder Facebook im Depot zu haben. Dabei ist es genauso wahrscheinlich, die nächste Lehman Brothers im Depot zu haben.

 

Und dann kann es gefährlich werden. Wenn man, dank des eigenen Egos, anfängt diese Kurseinbrüche persönlich zu nehmen. Wenn man das Gefühl hat, das der Markt es auf einen abgesehen hat. In dieser Phase werden dann tatsächlich die meisten Fehler gemacht.

 

Wie kann ich mich davor schützen?

Indem man viele Gewinne in der Hinterhand hält.

Es bringt nicht so viel, einfach nur Geld in der Hinterhand zu haben. Meiner eigenen Erfahrung nach, sollten es Gewinne sein.

Warum Gewinne?

Weil man diese innerlich mit den anlaufenden Verlusten verrechnet und die Welt dann meist gar nicht so schlimm aussieht. Dann schafft man es meist das Ego im Zaum zu halten.

Wenn man aber nur Cash in der Hinterhand hält, ändert dies meist nichts daran, das man die Verluste persönlich nimmt. Im Gegenteil.

Da man ja Cash in der Hinterhand hält, hat man erst echt die Möglichkeit, in einen persönlichen Krieg gegen die Märkte zu gehen. Es dem Markt mal so richtig zu zeigen.

So unrealistisch das für einige klingen mag, glaubt mir, viele neigen dazu den Markt in schlechten Phasen zu personifizieren. Den Markt nicht mehr als Handelsplattform anzusehen, sondern als Person, die es auf einen abgesehen hat.

Den was hier auch mit rein spielt, ist der psychologische Fakt, das Verluste weitaus schmerzlicher Empfunden werden, wie man sich über Gewinne in gleicher Höhe freut.

 

Praxisbeispiel gefällig?

Ich selbst bin natürlich auch nicht vor meinem Ego gefeilt. Ganz im Gegenteil. Persönlich bin ich ein gewisses Maß an Erfolg gewohnt. Auf Arbeit, Privat, mit dem Blog und auch an der Börse.

Gerade gegen Ende letzten Jahres lief es bei mir ja wieder in allen Punkten rund. Da traf mich schon der Januar, das ich einen Verlust auszuweisen hatte. Vom Februar ganz zu schweigen.

Das ganze kratzt, ganz ehrlich, an meinem Ego. Ich habe nur den Vorteil gegenüber einigen anderen, das ich bereits seit einigen Jahren an der Börse unterwegs bin und eher einen Break einlege, als Vergeltung gegen Mr. Market zu suchen.

 

Aber ich möchte auch noch ein kleines Beispiel bringen.

So fahre ich nebenbei meine Abzahlstrategie. Ich hatte mal erwähnt, das ich mich da etwas verzettelt habe, weil ich die Regeln während der Praxis anpasste.

Dies führte dazu, das mein aktueller offizieller Durchschnittskurs der Corning Inc. bei 34,30 $ liegt. Der Aktienkurs selber aber bei 29 $.

Dies war leicht deprimierend, das muss ich offen zugeben.

Aber, das ist auch der Clou an der Strategie, als ich meine ganzen Einnahmen durch Optionen und Dividenden gegenrechnete, war mein Einstandskurs nur bei 31,59 $.

Somit geht die Strategie recht witzig auf. Ich konnte dann auch wieder Calls auf mit Strike 32 $ schreiben 🙂

Ich würde zwar, wenn man nur die Aktien sieht, einen Verlust machen, wenn die Calls erreicht werden, aber im Gesamtbild wäre ich gut dabei.

 

Und genau das meine ich auch damit, wenn ich sage, das man sein Ego besser im Griff hat, wenn man Gewinne in der Hinterhand hat. Es lässt die Welt ein wenig freundlicher aussehen und verleitet weniger dazu, Schnellschüsse zu tätigen.  

Kommentare (4)

  1. Da hast Du sicher recht, dass der größte Feind die eigenen Emotionen sind. Das wird sich mE besonders zeigen, wenn es an den Märkten weiter volatil bleibt bzw. auch mal wieder nach unten geht.
    Spannend wäre dabei, ob auch die Blog-Intensität mit sinkenden Kursen nach unten gehen wird. Also ob Finanzblogger die Energie verlieren, wenn es nicht nur bergauf geht 😉
    Ich bin jedenfalls gespannt!

    Antworten
    • Darauf bin ich auch gespannt 🙂 Ich denke viele werden aufhören mit bloggen, da man nichts positives mehr zu berichten hat.

      Antworten
      • Gebe dir Recht Martin.
        Der größte Feind sitzt vor dem Bildschirm.

        Dass wir jedoch wegen Kurseinbrüchen aufhören zu bloggen halte ich eher nicht für wahrscheinlich 🙂

        Gerade dann brauchen die Leser jemanden, der sie bei Laune hält, wenn die Kurse purzeln. So seh ich das.

        mfG Chri

      • Hi Chri,

        wir bloggen natürlich weiter 😉
        aber ich denke es wird dann ein kleines Sterben in der Finanzblogszene geben, wenn die Kurse länger fallen. Man schreibt lieber über positive Sachen, als darüber, das jeden Monat das Depot in sich kollabiert.

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