Börse ist langweilig

Fundamentalanalyse

Kennt ihr das Gefühl, gerne etwas Sinnvolles mit eurem Geld machen zu wollen? Das Problem aber ist, es gibt einfach gerade nichts zu tun?

So geht es mir aktuell an der Börse. Ich kann euch mit einem Wort sagen, was ich bisher diesen Monat an den Märkten gemacht habe… nichts

Genau das möchte ich aber zum Anlass meines heutigen Artikels nehmen.

 

Wenn die Langeweile einzieht

Am Anfang ist Börse aufregend. Wenn man mit dem Investieren anfängt, nach welcher Strategie auch immer, ist man voller Tatendrang.

Relativ schnell ist dann das zur Verfügung stehende Geld auch investiert und man verlässt zufrieden den PC. Man hat etwas gemacht.

Vielleicht verkauft man noch ein paar Optionen.

Am nächsten Tag ist man immer noch stolz auf sich. Das Geld arbeitet endlich. Endlich vermehrt es sich und man wartet sehnsüchtig drauf, das die ersten Dividenden ausgeschüttet werden oder das die zusätzlich verkauften Optionen verfallen.

Doch Geduld, Geldanlage braucht Zeit…

Nach einer Woche des Nichtstuns wird es dann schon langsam langweilig.

Keine Kursexplosionen…

Keine Dividenden…

Und die Optionen verfallen auch erst in 40 Tagen…

Börse ist langweilig…

 

Niemand hat gesagt, das Geldanlegen aufregend ist

Ähnlich wie oben geht es mir aktuell. Ich habe nicht genügend Geld um neue Positionen zu eröffnen und meine offenen Positionen muss ich nur managen.

Managen bedeutet soviel wie, ich muss warten was passiert bzw. warten bis meine Calls auf meine Bestände verfallen. Das dauert aber noch eine Weile.

Die Dividende von Ford wird erst im September ausgezahlt… da passiert also auch erstmal kein Highlight und so kann es einem langweilig werden.

Und Langeweile ist gefährlich!

 

Widersteht der dunklen Seite

Langeweile führt zu Frust… Frust führt zu sinnlosem Tatendrang… sinnloser Tatendrang führt zu unsäglichen Verlusten…

So oder so ähnlich würde es wohl Yoda sagen. Es ist jedoch so, das man durchaus denken könnte, das man was falsch macht.

Im alltäglichen Leben ist die allgemeine Auffassung so. Arbeite viel und du verdienst viel. Aber das gilt nicht für die Börse.

Die Gefahr ist aber nun, das wir durch unser Nichtstun nach Möglichkeiten suchen, aktiver an dem Börsengeschehen teilzunehmen. Vielleicht schauen wir uns an, wie das die Daytrader so machen. Die haben doch immer was zu tun.

Schnell können gute Investmentvorsätze über den Haufen geworfen werden und man versucht sich im Trading. Einfach weil es spannender ist.

Leider ist das Resultat am Ende (ich spreche hier von Erfahrung siehe hier) dann so, das man viel Wissen aufgebaut hat, jedoch keinen müden Cent verdient hat.

Oft sieht man sich dann die Börsen im Allgemeinen an und kommt zu dem Entschluss, das man echt viel Geld hätte verdienen können, wenn man einfach stumpf investiert hätte und sich der Langeweile ergeben hätte.

 

Doch was gegen die Langeweile unternehmen?

Es ist nicht schlimm, wenn man die Börse langweilig findet. Geldanlage ist ein Marathon und kein Sprint.

Im Grunde hilft hier nur Disziplin. Selbst von einem Demokonto bei einem CFD Broker oder ähnlichem rate ich ab, um der Langeweile einhalt zu gebieten.

Warum?

Stellt euch mal vor, ihr macht ein Demokonto auf und handelt da so zum Spaß. Und ihr Gewinnt… und Gewinnt… und macht gutes Geld…

Ihr werdet euch dann schnell dazu entscheiden ein Livekonto zu eröffnen und doch mit dem kompletten Geld zu handeln. Wisst ihr was dann passieren wird?

Ihr verliert… und verliert…

Weil es was anderes ist mit einem Demokonto und Spielgeld zu handeln, als mit Echtgeld. Ihr werdet verlieren, weil ihr den psychischen Druck unterschätzt und euch selber gleichzeitig noch beweisen wollt (oder müsst?) das die Entscheidung richtig war.

Somit seid ihr also auch noch gezwungen, eine ordentliche Performance hinzulegen…

 

Was mache ich aktuell gegen meine Langeweile?

Naja, einerseits habe ich angefangen mich ein wenig mit Programmieren zu beschäftigen. Als erste Sprache habe ich mich dabei für Java entschieden.

Ich möchte kein großer Programmierer werden, aber ich möchte die Grundlagen beherrschen.

Eine weitere Möglichkeit ist auch, nach Unternehmen zu suchen, in die man als nächstes gerne einsteigen würde. Man baut sich also eine eigene Wachlist auf, für die Zeit, wenn man wieder genügend Geld hat.

Auch schreibe ich gegen die Langeweile gerade diesen Artikel^^

Denn ich weiß, das ich nicht der Einzige sein werde, dem es ab und an so geht.

 

Akzeptiert, das eure Strategie nicht perfekt ist

Solltet ihr Einzelwerte handeln, so wie ich, dann akzeptiert auch, das eure Strategie nicht perfekt ist.

Keine Strategie ist perfekt. Weint also nicht einer verpassten Chance hinterher.

Solltet ihr Berechnungen zu dem inneren Wert eines Unternehmens anstellen.

Akzeptiert, das ihr nicht alles berechnen könnt und das es zig Meinungen dazu gibt.

Ich errechne mir insgesamt 4 faire Werte eines Unternehmens. Diese sind als Kaufzonen gedacht. Gleichzeitig muss ich aber bei meinen Berechnungen akzeptieren, das ich keine Banken oder Versicherer so analysieren kann.

Ebenfalls muss ich akzeptieren, das ich nie Aktien wie eine Netflix haben werde, da auch hier meine Analyse nichts bringt.

Das ist halt so. Es gibt hunderte, tausende von Aktien. Was macht es da schon aus, das ich einige davon nicht analysieren kann?

Ich könnte sowieso nie alle kaufen. Ich könnte wahrscheinlich nicht einmal alle analysieren, weil mir die Zeit dazu fehlt^^

Also macht euch nichts draus, wenn ihr die nächste Facebook oder Netflix auch verpasst. Who cares?

 

 

Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.

Konfuzius

Kommentare (8)

  1. Bitte bitte bitte: Lerne den Unterschied zwischen ‚das‘ und ‚dass‘!!!

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  2. Genau diese langweile hat bei mir auch dazu gefährt das ich mit einem kleinen Teil (~5%) meines Vermögens angefangen habe mit P2P Krediten zu „handeln“ und auch noch draüber blogge http://p2p-game.com/ da gibt es genug was man tun kann (oder auch nicht) und auch ständig neues – super das sorgt dafür das ich nur ab und an im ETF Depot ein Rebalancing mache und sonst die FInger davon lasse und mit dem P2P Geld „zocke“…

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  3. Bei Investition in p2p-Kredite wächst das Konto von Tag zu Tag bei entsprechender Diversifikation. Man kann immer wieder neu investieren. Bei Bondora Go&Grow kann man dem Zinswachstum täglich zuschauen. Und es besteht hierbei keine Gefahr des Überaktionismus wie an der Börse.
    p2p macht bei mir ca. 5% der insgesamt investierten Summe aus.

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  4. Hallo Martin,

    da hast du ein wichtiges Thema angesprochen. Ich denke, wer seine Selbstbestätigung ausschließlich aus dem Handel bezieht, wird Schiffbruch erleiden. Denn der Wunsch nach Bestätigung verleitet zu Aktivismus. Besser, man zuckt mit der Schulter, wenn gerade nichts läuft und wendet sich anderen Dingen zu.

    LG,

    Torsten

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  5. Langeweile?! Optionen reichen als Nervenkitzel auch nicht? Wie waere es mit Bitcoin oder Ethereum shorten (auf fallende Kurse setzen)?

    Man braucht dazu uebrigens keine Wallets oder sich auf Krypto-Boersen rumtreiben:
    Einfach Waehrungspaare Bitcoin/USD oder Ehtereum/USD handeln. zB bei einem CfD-Broker wie cmcmarkets.
    Spread ab ca. 1% (zB wenn Bitcoin/USD 6.000 betraegt ~60 USD je Bitcoin).
    Margin ab ca. 50% (d.h. fuer den Verkauf von zB 0,1 BTC/USD also ~ 600 USD werden ~ 300 USD bzw entsprechend 260 EUR von deinem Cash-Konto reserviert/blokiert)
    Wenn dann BTC/USD auf 3.000 fallen, machst du mit deiner kleinen Position ca. 97% Gewinn
    (also aus deinen 600 USD werden 1.200 minus 2x Spread (120 USD x 0,1 = 12 USD) minus Finanzierungskosten (taeglich ca. 0,01% ~ 5Cent bei 600 USD?).

    Da hinter den Krypto-„Waehrungen“ nur heisse Luft steckt, ist das doch ein todsicheres Geschaeft, oder?
    Diiiie Gelegenheit den „jungen Testosteron-Boemblis“ ein paar Dollars abzunehmen?

    Naja, vielleicht mit Shorten warten, bis BTC/USD mal wieder an der oberen Range anklopft (7-8.000 BTC/USD)?

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  6. … und ich lese den Artikel weil mir gerade langweilig ist 🙂
    Ich hab auch gerade etwas viel Freizeit, kein Geld auf dem Verrechnungskonto und keine Margin frei, kenne das Gefühl also.
    Ich optimiere in solchen Phasen immer meine Excel Tabelle. Und aktuell habe ich mich der Steuerthematik angenommen.

    Es gibt auch eine Statistik, nach der Unternehmer an der Börse schlechter abschneiden, weil sie immer das Gefühl haben, etwas unternehmen zu müssen bzw mit einer eigenen Entscheidung etwas erreichen wollen. Mehr Aktivität ist nicht gleichzusetzen damit, ein besserer Investor zu sein.

    Viele Grüße

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  7. Hi Martin,

    schöner Artikel! Insbesondere die Gefahr „überaktiv“ zu werden kenne ich auch – so bin ich damals von meiner Strategie (nur passiv in ETFs) abgekommen und habe in verschiedene Einzelunternehmen investiert.

    Überraschug: Es hat sich nicht gelohnt 😉

    Habe neulich einen Beitrag geschrieben, wie man sich bei Langzeitzielen die Motivation aufbauen/ erhalten kann, erfolgreich „dranzubleiben“ – egal ob Sport oder Börse:
    https://thorstenhartmann.de/langzeitziele-erfolgreich-angehen/

    Zwischenziele für mich sind Dividendenzahlungen, die im laufe der Zeit immer reglmäßiger kommen (mehr unterschiedliche ETFs, da über die Zeit andere günstiger waren).

    Aus den Buchungen und meiner monatlichen Statistik ziehe ich die Motivation dranzubleiben und nicht mehr abzuschweifen!

    Vielleicht hilfts ja Dir oder jemand anderem auch!?

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