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Strangle handeln – Theorie und Praxis

Optionstrading

Der Strangle ist meine bevorzugte Optionsstrategie. Ich habe ihn schon öfters erwähnt und immer mal kurz beschrieben, wie er aufgebaut ist. So z.B. habe ich den Iron Condor zuerst über den Strangle erklärt.

Heute möchte ich meinen Beitrag dem Strangle selber widmen.

Worum es heute geht? Folgende Dinge wirst du heute lernen:

  • Wie ist der Strangle aufgebaut und wann handelt man diesen
  • Vor- und Nachteil eines Strangles, gegenüber einem einzelnen Call oder Put und warum ich diesen so gerne handle
  • Delta 30 = Delta 10? Warum du erst viel später Geld verlierst, wie du denkst
  • Mehr Geld aus einem Strangle holen. Meine Adjustierungen

 

Wie ist der Strangle aufgebaut und wann handelt man diesen?

Ein Strangle ist recht einfach aufgebaut. Man verkauft einfach oberhalb des Kurses einen Call und unterhalb einen Put.

Beide Optionen müssen dabei dieselbe Laufzeit haben. Ich selber verkaufe meine Strangles standardmäßig an der 1. Standardabweichung. Das ist ein Delta von ca. 15-20 rum.

 

Optionen Strangle

 

Das Gewinn – Verlust – Diagramm eines Strangles sieht auf dem ersten Blick nicht sonderlich schön aus. Man kann erkennen, das man nur einen begrenzten Maximalgewinn hat, aber bei steigenden, wie auch bei fallenden Kursen ein theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko.

 

Gewinn Verlust Diagramm

 

Der Maximalgewinn entspricht der eingenommenen Prämie für den Call und den Put.

Wir sind bei einem Strangle also auf optimale Bedingungen angewiesen, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Aus diesem Grund handle ich den Strangle auch nur bei bestimmten Voraussetzungen.

Einen Strangle handle ich nur, wenn der IVR des Basiswertes mindestens 50%beträgt. Ebenso muss der Basiswert liquide sein und die Prämie des gesamten Strangle sollte bei mindestens 80 $ liegen, bei einer Laufzeit von maximal 45 Tagen.

 

Exkurs:

Wie finde ich Basiswerte, welche meinen Kriterien entsprechen? Ich suche diese auf Dough. Hier filtere ich nach 3* und 4* Basiswerte und schauen mir dann deren IVR an. Dough nimmt auf der Website selber keinen neuen Registrierungen mehr an. Jedoch soll die Registrierung über die App noch funktionieren. Danach könnt ihr auch die Website nutzen.

 

Ebenso muss man darauf achten, das während der Laufzeit keine besonderen Ereignisse stattfinden. Hier ist also darauf zu achten, das nicht während des Strangles Quartalsergebnisse bekanntgegeben werden. Dafür sind explizit die Earningstrades da.

 

Vor- und Nachteil eines Strangles, gegenüber einem einzelnen Call oder Put und warum ich Strangles so gerne handle

Die Nachteile eines Strangles kann man sich vielleicht schon denken.

Steigt oder fällt der Kurs zu stark, verlieren wir. Verkauft man nur einen Call, dann ist es egal ob der Kurs fällt, ebenso ist es egal bei einem Put ob der Kurs steigt. Bei einem Strangle aber sperren wir den Kurs innerhalb unserer Strikes ein. Der Kurs darf weder einbrechen noch wie eine Rakete steigen.

Der Nachteil ist, so komisch es klingen mag, gleichzeitig aber auch Bestandteil des Vorteils. Denn ein Basiswert kann nur fallen oder steigen. Somit kann immer nur eine Seite unseres Strangle in Bedrängnis kommen. Dies macht sich auch in unsere hinterlegten Margin bemerkbar. Es macht keinen Unterschied in den Marginanforderungen, ob wir nun nur einen Put bzw. nur einen Call verkaufen, oder einen Put und einen Call.

Wir nehmen also, mit den gleichen Marginanforderungen, doppelte Prämie ein. Einmal für den Call und einmal für den Put. Dadurch verschiebt sich auch der Breakeven. Denn auch wenn einer der Strikes erreicht wird, sind wir nicht automatisch im Verlust. Wir können ja unsere eingenommene Prämie dagegen rechnen.

Dies erkennt man beim Gewinn – Verlust – Diagramm an den abfallenden Gewinn. Erst wenn die Prämie aufgebraucht ist, würden wir tatsächlich Verlust machen, natürlich nur, wenn wir nicht unternehmen.

Ich erkläre dann noch, wie man einen Strangle so managet, das sich der Breakeven noch weiter verschiebt.
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Delta 30 = Delta 10? Warum du erst viel später Geld verlierst, wie du denkst

Wir verlieren erst Geld, wenn der Kurs soweit über bzw. unter unserem Strike ist, das selbst die Prämie aufgebraucht ist.

Wenn wir uns das im Kopf behalten und sich die Strikes eines Basiswertes ansieht, wird man etwas Interessantes feststellen.

Ich habe anfangs geschrieben, das ich meine Strangle immer an der ersten Standardabweichung verkaufe. Wenn der Kurs innerhalb meiner Strikes am Verfallstag schließt, kann ich die gesamte Prämie als Gewinn behalten.

Doch was wäre, wenn ich am Delta 30, ca. die halbe Standardabweichung, meinen Strangle verkaufen würde?

Ab wann würde ich hier Verlust machen? Interessanterweise auch erst ab der ersten Standardabweichung. Nimmt man die eingenommenen Prämien des Call und des Put zusammen stellt man fest, das der Breakeven an der ersten Standardabweichung liegt.

Das einzige Problem dabei wäre, die Wahrscheinlichkeit, das eine der Optionen ausgeführt wird, ist recht hoch. Man muss hier also damit rechnen, eine Option angedient zu bekommen. Ist das der Fall, bricht die Welt aber auch nicht zusammen. Dann hat man entweder 100 Aktien long im Depot und kann einen im Geld liegenden Call darauf verkaufen, oder man hat 100 Aktien short im Depot, dann kann man einen im Geld liegenden Put darauf verkaufen, wenn man die Position sicher wieder glattstellen möchte.

Dies ist aber schon eher eine Adjustierungsmöglichkeit, wenn ein Trade nicht optimal läuft. Doch auch bevor es soweit kommt, das man bei einer Option angedient wird, kann man aktiv werden und seinen Gewinn maximieren.

Mehr Geld aus einem Strangle holen. Meine Adjustierungen

Ich bin ein großer Fan davon, Gewinne zu managen und bei etwas unter Druck geratenen Optionen etwas zu warten, solange meine Strikes nicht erreich wurden.

Hier greifen vor allem meine Adjustierungen. Während z.B. Jens Rabe eher versucht unter Druck geratene Optionen zu adjustieren, versuche ich eher mögliche Verluste durch neue Gewinne zu verhindern.

Was mache ich also?

Wir haben ja gelernt, das bei einem Strangle immer nur eine Seite unter Druck geraten kann.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, das die Option der anderen Seite massiv an Wert verliert und wir diese dadurch billiger zurückkaufen können. Dies mache ich dann auch! Bei ca. 20% Restwert kaufe ich die Option zurück.

Damit haben wir bereits einen Gewinn realisiert. Wenn noch Laufzeit bis zum Verfall übrig ist und die Prämien nicht unter 40 Dollar gefallen sind, mache ich folgendes.

Ich verkaufe eröffne erneut an der aktuellen ersten Standardabweichung eine Option. Und zwar von dem Typ, wie ich sie gerade zurückgekauft habe.

Das würde bedeuten, angenommen ich habe gerade einen Call zurückgekauft, dann würde ich an der neuen ersten Standardabweichung wieder einen Call verkaufen.

Somit nehme ich neue Prämien ein. Dies hat den Effekt, das sich mein Breakeven verschiebt und ich mit einem Strangle bereits drei Prämien eingenommen habe. Tatsächlich wiederhole ich das sooft, wie es geht. Mein persönlicher Rekord war dabei, einen Call zweimal Richtung Kurs gerollt zu haben.

Denn es arbeiten mehrere Einflüsse für uns. Zum einen wäre die Vola. Ich habe anfangs daraufhin gewiesen, das ich einen Strangle nur bei einer IVR von 50 aufsetze. Oft fällt die Vola dann auch wieder, wenn der Kurs keine größeren Sprünge macht. Hierdurch werden unsere verkauften Optionen billiger.

Außerdem verlieren die Optionen jeden Tag an Zeitwert. Mit jedem Tag der vergeht, wird es unwahrscheinlicher, das eine unserer Optionen am Verfallstag ausgeübt wird, bzw. das der Basiswert einen unserer Strikes erreicht. Auch dies macht sich dadurch bemerkbar, das unsere verkauften Optionen billiger werden.

Der Verfall beschleunigt sich zusätzlich noch, wenn der Kurs anfängt sich nur noch minimal zu bewegen. Dies wird dann oftmals zusätzlich mit eingepreist.

Wie ihr seht, arbeiten viele Faktoren für uns. Umso schneller die Optionen an Wert verlieren, umso besser.

 

Jetzt stellt sich trotzdem noch die Frage, wann adjustiere ich meine Verlustseite?

Normalerweise wenn diese ein Delta von 40 – 45 erreicht hat. Dann rolle ich die Seite auf die aktuelle erste Standardabweichung. Dies aber kommt darauf an, wie lang die Restlaufzeit ist.

Verfällt die Option in zwei oder drei Tagen, dann warte ich sogar gerne noch etwas ab und lasse den Basiswert meinen Strike erreichen. Hier schaue ich aber auch darauf, wie das Momentum der letzten Bewegungen war.

Ist der Basiswert mit Schwung an einen meiner Strikes herangekommen, rolle ich sofort. Hat dies aber mehrere Tage gedauert und ist sehr langsam vonstattengegangen, dann warte ich ab und halte still.

 

 

Noch ein kurzer Hinweis.

Wer von mir in der nächsten Earnings Season erfahren möchte, welche Werte ich wann und zu welchen Strikes handle, sollte meine Facebookseite abonnieren oder sich für meinen Newsletter eintragen. Da erfahrt ihr, bevor die Earnings des Basiswertes kommen, welche Werte ich im Auge habe und handeln werde.

Ihr erfahrt also, welche Aktien wann gehandelt werden und zu welchen Strikes. Im Newsletter selber erfahrt ihr noch zusätzlich die IVR und Laufzeit. Selbstverständlich informiere ich euch auch über Adjustierungen.

Auch erfahrt ihr, nur im Newsletter, am Ende einer jeden Woche, welche Trades ich wo und warum eingegangen bin. Mit welcher Strategie dahinter, mit welchen Voraussetzungen und ob und wie ich bestehende Trades adjustiert habe.

 

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Kommentare (16)

  1. Hallo Martin,

    Wie immer gut zusammengefasst. Habe früher auch am liebsten Strangles gehandelt. Bin dann aber bei meiner aktuellen Strategie hängen geblieben, weil ich mir keinen Kopf ums adjustieren machen möchte. ich kenne zwar viele Adjustierungsmöglichkeiten, die ich auch schon in der Praxis angewandt habe, bin aber zu faul dafür xD

    Ich glaube den Newsletter muss ich mir auch abonnieren! 😉

    mfG Chri

    Antworten
  2. Hallo Martin,

    danke für deine Einblicke in meine Lieblingsstrategie. Da sind wir schon zu zweit 😉 Ich handle selber quasi ausschließlich Strangles, allerdings nicht auf Einzelaktien, sondern ausschließlich auf Indices (ESTX50) und das auch mit einer längeren Laufzeit von um die 90 Tage oder sogar noch länger.
    Wenn der Markt normal verläuft, kann ich meist bereits bei 30 Tagen Restlaufzeit rund 90% des Gewinns einstreichen.

    Momentan ist die Volatilität allerdings dermaßen im Keller, dass neue Positionen derzeit nicht zu empfehlen sind. Da hilft nur Geduld, bis der Markt mal wieder nach unten dreht.

    Aber Geduld braucht man bei dieser Strategie ohnehin. Die meiste Zeit ist der Handel dermaßen langweilig, dass man sich echt nach anderen Beschäftigungen umsehen muss 😉 Nur wehe, wenn am Markt mal richtig was los ist. Dann verkehrt sich das schnell ins Gegenteil.

    Ich wünsche weiterhin viel Erfolg!

    Antworten
  3. Ich handle auch am liebsten Strangles mit einem ähnlichen System wie du. Das kommt meiner Unfähigkeit, Kurse zu prognostizieren am meisten entgegen 🙂

    VG, Rico

    Antworten
  4. Irgendwie hat die Chrome Autovervollständigung meinen Beitrag geschrottet, also nochmal 😀

    Mir sind die Strangle auch am liebsten. Allerdings sind meine Einstiegskriterien wesentlich einfacher. Bei den Underlyings, für die bei Eurex Optionen gehandelt werden, habe ich bisher noch nie eine Vola über 40 gesehen. Gut, ich beobachte natürlich auch nur ein paar. Da DeGiro keinen Marktscanner hat und Dough.com nur für den US Kram funktioniert, muss ich mich auf eine handvoll Underlyings beschränken (ich suche mir dazu aus den Eurex Handelsstatistiken die meist gehandelten Underlyings an der Eurex raus).
    Anfangs fand ich das alles ziemlich blöd, allerdings vereinfacht es das Handeln.

    Ohne die Beetrachtung der Vola fällt schonmal ein Kriterium weg wodurch ich wesentlich mehr handeln kann. Was dann auch bedeutet: Ich kann mich auf die Aktien beschränken, die ich langfristig beobachte.

    Antworten
    • Hallo Josef,

      das geht natürlich auch. Aber genau dies ist ein Grund, weshalb ich nur US-Werte handle. Hier finde ich fast immer Aktien mit einer hohen Vola. Dadurch werden auch eher “Fehler” verziehen, daich nicht auch die Vola gegen mich habe.

      Antworten
      • Da die Vola meiner Beobachtung nicht wirklich ansteigt, ist die Vola da weder Freund noch Feind 😉

        Allerdings habe ich mir jetzt das erste Mal vorgenommen, die Vola auf DAI in den nächsten zwei Wochen zu beobachten. DAI hat am 29.3 HV und zahlt Dividende. Der Theorie nach müsste kurz vorher die Vola ansteigen. Ich werde dies jetzt mal beobachten (jeden Tag eine Stichprobe).
        Ich halte noch zwei EAD Puts mit Laufzeit 21.4.17.
        EAD hat am 12.4. HV. Bis dahin sollte ich auf jeden Fall wissen, wie sich die Vola in der Realität an der Eurex verhält.

      • Grüß dich, das stimmt. Die Vola steigt normalerweise an, wenn Ergebnisse anstehen. Würde mich wundern wenn es an der Eurex anders wäre.

      • Hallo Josef,

        ich bin ebenfalls ein großer Fan davon, die Dinge nicht unnötig kompliziert zu gestalten. Die Beachtung der Volatilität beim Optionshandel vollkommen außen vor zu lassen ist allerdings an der falschen Stelle gespart.

        Das Problem ist, dass die aktuell ruhige, tendenziell leicht steigende Marktphase solche Fehler verzeiht. Es wird sich aber rächen, wenn der Markt mal wieder kräftig nach unten dreht.

        Ich will das gerne erklären. Vielleicht ist dir das auch alles bekannt, aber ich bin sicher, dass der ein oder andere etwas Mehrwert hieraus ziehen kann.

        Das schöne an einem Strangle ist ja, dass man eine marktneutrale Strategie verfolgt. Bedeutet im Grundsatz: Mir ist egal, ob das gewählte Underlying steigt oder fällt; als Optionsverkäufer verdiene ich ausschließlich am Zeitwertverfall der verkauften Optionen. Ich will teuer verkaufen und billig zurückkaufen. Soweit hoffentlich bekannt und alles alter Käse.

        Wie setzt sich nun aber der Zeitwert (und damit die vereinnahmte Prämie) der Optionen zusammen? Ich sag immer vereinfacht, dass es ausschließlich zwei Komponenten gibt: Die Restlaufzeit und die Volatilität.

        Restlaufzeit ist noch einfach. Optionen haben immer einen festen Verfallstermin. Je weiter dieser Termin noch entfernt ist, umso teurer sind die Optionen. Mit jedem Tag, den der Verfallstermin näher rückt, wird die Option weniger wert. Dabei nimmt der Wertverfall zum Ende der Restlaufzeit zu; die Funktion verläuft also nicht linear. Dieser Effekt verleitet viele Optionshändler dazu ausschließlich kurzlaufende Optionen zu verkaufen. Nach meiner Erfahrung wird dieser Effekt vollkommen überbewertet und gerade bei Strangles lohnt es sich längere Restlaufzeiten ins Visier zu nehmen. Aber da mag jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

        Nun zur Volatilität. Diese ist schwieriger zu greifen, aber auch hier lässt sich mit einem einfachen Sinnbild arbeiten. Ich übersetze Volatilität für mich mit dem Begriff „Angstbarometer“. Die Volatilität ist hoch, wenn große Unsicherheit (oder eben Angst) im Markt zu finden ist. Umgekehrt ist die Volatilität niedrig, wenn alle glücklich und zufrieden sind und sich um die Zukunft keine Sorgen machen. Hohe Volatilität bedeutet hohe Optionsprämien, niedrige Volatilität bedeutet niedrige Optionsprämien.

        Wie sieht das nun am Aktienmarkt aus? Wann sind Aktionäre glücklich? Bei steigenden Kursen! Wann sind Aktionäre panisch? Wenn die Kurse in den Keller rauschen! Das heißt in steigenden Märkten wird die Volatilität tendenziell abnehmen, in fallenden Märkten wird sie ansteigen. Mit dieser Erklärung lässt sich auch darstellen, warum kurz vor der Hauptversammlung die Volatilität ansteigen wird. Es herrscht Unsicherheit im Markt, also steigt die Volatilität. Die Volatilität hat also nicht ausschließlich etwas mit der Kursbewegung zu tun, sondern ist immer darauf gerichtet, ob die Marktteilnehmer in (naher) Zukunft Angst vor Verlusten haben. Darum Angstbarometer.

        Was heißt das nun für deinen Handel? Wenn du die Volatilität aus deiner Betrachtung vollkommen ausschließt, dann ignorierst du einen wesentlichen Faktor, der die Höhe der Optionsprämien bestimmt. Und noch einmal: Du willst teuer verkaufen und billig zurückkaufen. Wenn du in einer Phase sehr niedriger Volatilität Optionen verkaufst, dann kannst du nur vergleichsweise geringe Prämien einnehmen. Sollte jetzt der Markt stark fallen (und bei Einzelaktien ist ein abrupter Kurssturz noch viel häufiger anzutreffen als bei einem Aktienindex), dann wird die Volatilität geradezu explodieren. Der Einfluss der Volatilität auf die Optionsprämien ist um ein vielfaches höher, als der Einfluss der Restlaufzeit. Das heißt die Prämien werden in die Höhe schießen und deine ehemals billigen Optionen sind nun sehr sehr teuer. Das heißt, du machst einen dicken Verlust. Gut, denkst du. Das kann ich ja aussitzen. Dazu rufe ich noch einmal in Erinnerung, dass Strangles ein unbegrenztes Verlustrisiko beinhalten. In der gerade geschilderten Phase kann der Buchverlust schnell ein vielfaches deines maximalen Gewinns ausmachen. Und dieses Risiko ist eben umso größer, je geringer die Volatilität war, als du deine Positionen eröffnet hast.

        Zum Abschluss noch: In der Marktphase, die wir in den letzten Monaten (man kann schon bald von Jahren sprechen) gesehen haben, ist es fast unmöglich gewesen, mit Strangles KEINEN Gewinn zu machen. Das sollte nicht dazu verleiten, die Risiken auf die leichte Schulter zu nehmen. Der Markt wird irgendwann abstürzen. Wenn man darauf nicht vorbereitet ist, sind alle Gewinne der vergangenen Monate auf einen Schlag weg. Wenn nicht schlimmer.

        So. Sehr viel Prosa. Jetzt bin ich gespannt auf Reaktionen 🙂

      • Das ist schon fast ein Artikel für sich 😀
        Besser hätte ich es auch nicht schreiben können. Gerade der Schluss ist wichtig. Wir müssen unsere Posis immer im Auge behalten, sonst kann es durchaus sein, das die uns um die Ohren fliegen.

      • Hi Elmar,
        ja, mir ist die Bedeutung der Vola bekannt 🙂

        Hoffentlich jedem, der als Stillhalter tätig ist.
        Meine Ausführung soll auch nicht als grundsätzliches Statement gegen die Vola gedeutet werden.
        Die Kernaussage ist eher, dass ich bei den von mir verkauften Underlyings die Vola bei der Auswahl der Optionen ignoriere (und dann natürlich hoffe, dass man sie im weiteren Verlaudf ignorieren kann^^).

        Beispiel Daimler. Kurs aktuell 70.4. Möchte ich einen Put mit Laufzeit April darauf verkaufen und wende ich die Delta 0,4 Vola Regel, so gibt es keine Option, welche ich verkaufen kann.

        Die erste Option aus der Kette ist der 73er Put. Dieser weist eine Vola von ca. 0,42 auf.
        Aber den würde ich nie verkaufen. Macht auch wenig Sinn.

        Und das Muster zieht sich eben durch viele Underlyings an der Eurex. Nun ist es natürlich so, dass man bei en ca. 700 (?) Underlyings vom Typ “Aktie” sicherlich irgendeins finden wird, wo die Vola höher ist + das Delta passend ist. Das sind dann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Underlyings, die ich im Depot haben möchte und deren Liquidität + Spreads geeignet sind.

        Ein wichtiger Punkt (nicht nur für mich als Volaignorierer ;-P ) ist die Absicherung. Da habe ich bisher auf den Blogs leider noch kaum angewendete Sicherungsstrategien gesehen. Ich selber mache mir nun seit geraumer Zeit Gedanken darüber, komme aber auf keinen grünen Zweig.

        Momentan bin ich etwas auf dem Trichter, mich bei Puts ggf ausüben zu lassen (ähnlich wie easydividend, allerdings empfinde ich diese Startegie nicht als sinnvoll anwendbar bei kleinen Depots mit < 50k) oder nur Underlyings zu nutzen, die ich auch leerverkaufen kann.

        Dann könnte ich mich kurzfristig absichern. Das Gap RIsiko bleibt…

        DIe Variante mit langlaufenden long Calls/Puts sehe ich als praktisch nicht anwendbar, da dies extrem viel kostet.

        Ka. Über Anregungen und Diskussionen bin ich dankbar 😀

      • Hallo Elmar,

        Thema Absicherung hast du recht. Ich habe bisher auch nur den Iron Condor als Strategie vorgestellt, welche einem ein definierten Verlust vorgibt. Werde da demnächst noch was schreiben.
        Gaps kommen jedoch meiner Ansicht nach weit weniger vor, als man allgemein wahrnimmt. Man neigt dazu Extremen mehr Beachtung zu schenken, als dem Normalzustand.

      • @Martin
        Die Positionen beobachten schützt dich aber nicht vor einem Gap.

        Ich habe ja meine SIcht der Dinge (was Long Absicherungen angeht) ja schon öfters geäußert.

        Fakt ist: Positionen beobachten kann nicht als Absicherungen betrachtet werden, weil du im schlimmsten Fall höchstens noch zu schauen kannst, wie du Pleite gehst. Das Beobachten bringt dir ja nur was ab Beginn des Börsenhandels. Was dann auf dem Parkett vorher abläuft ist außerhalb deines Handelshorizontes.
        Bei DeGiro ist es noch schlimmer. Ich kann nichtmal außerbörslich handeln. Weis nicht, ob man bei IB z.b. bei L&S Leerverkaufen könnte. Bei DeGiro geht das auf jeden Fall nicht. Ich glaube, dass bei DeGiro nur Xetra Handel möglich ist (was deutsche Aktien angeht). Das bedeutet: Hoffen und bangen, dass ab Xetra Schluss nichts mehr passiert. Keine Bombe hochgeht und kein Krieg irgendwo ausbricht, etc.

        Eine wirkliche Absicherung ist m.E. NUR eine long Position (was dann den Strangle zum IC macht und kompliziert zum handeln). Und damit es sich lohnt am besten eine (bzw. eben zwei beim Strangle) lang laufende long position im geld die kaum Zeitwert hat.

        Dann muss man halt erstmal ein halbes Jahr Optionen verkaufen, um die Long Prämien zu erwirtschaften

      • Hallo Josef,

        ein Gaprisiko bleibt natürlich immer. Aber diese kommen nicht sooft vor, wie man denkt.
        Verluste vermeiden kann man auch nicht. Einen Iron Condor finde ich deshalb am besten geeignet. Den maximalen Verlust kann hier jeder für sich treffen. Aber eine 100% Absicherung gibt es nicht. Man muss zwangsweise lernen, mit Verlusten zu leben und umzugehen.

        Auch wenn man, wie ich, nur Strangles verkauft und dann tritt doch ein Gap auf. Was dann? Man wird selbstverständlich ersteinmal zurückgeworfen, aber normalerweise sollte das Konto, wenn man die Position nicht zu groß gewählt hat, nicht gleich platt sein.

        Trade small, trade often, wie Tastytrade so schön sagt^^

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