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Poor Man’s Covered Call

Poor Man's Covered Call

Poor Man’s Covered Call ist eine Standardstrategie im Optionshandel. Dabei tut man so, als würde man den zu handelnden Basiswert besitzen. Der Poor Man’s Covered Call ist dabei auf steigende Kurse ausgelegt. Für fallende Kurse nutzt man den Poor Man’s Covered Put.

Im heutigen Artikel erkläre ich euch somit:

  • Was ist der Poor Man’s Covered Call
  • Wofür wendet man ihn an und was sind die Vor- und Nachteile?
  • Wann eignet sich der Handel des Poor Man’s Covered Call am besten?
  • Warum ich den Poor Man’s Covered Call besser finde, als wenn man sein Geld direkt in Aktien steckt

 

Was ist der Poor Man’s Covered Call?

Um zu erklären was der PMCC ist, muss ich ein klein wenig ausholen. Dazu beginnen wir mit dem normalen Covered Call.

Bei einem Covered Call besitzt man 100 Aktien eines beliebigen Unternehmens. Hierzu verkauft man nun zusätzlich noch Call relativ weit aus dem Geld, um dadurch monatliche Extraeinnahmen zu generieren. Sollte am Ende der Laufzeit der verkaufte Call ausgeübt werden, realisiert man zusätzlich einen Kursgewinn.

Als Beispiel:

Man besitzt 100 Aktien von XYZ welche man zu 100 $ gekauft hat.

Man schreibt einen Call bei 110 $ und erhält eine Prämie von 50 $.

Sollte der Kurs der Aktien nach Ende der Laufzeit über 110 $ sein und der Call damit ausgeübt werden, verkauft man seine 100 Aktien zu 110 $ und realisiert so, zusätzlich zu den 50 $ Prämieneinnahmen, noch insgesamt 1.000 $ Kursgewinne.

 

Nun muss man aber bei einem klassischen Covered Call 100 Aktien des Basiswertes besitzen. In unserem Beispiel hätte man so 100 Aktien * 100 $ Kurswert = 10.000 $ investiert. Eine Menge Geld. Glücklicherweise gibt es hierfür einen kleinen Trick, wie man nur so tut, als würde man 100 Aktien besitzen. Den Poor Man’s Covered Call.

 

Bei einem Poor Man’s Covered Call kauft man anstelle der Aktien, eine Option, die im Geld ist. Das bedeutet folgendes.

Anstelle 100 Aktien bei einem Kurs von 100 $ gekauft zu haben, kauft man einen Call bei einem Strike von 100 $. Da eine Option sich fast immer (gibt nur sehr, sehr wenige Ausnahmen) auf 100 Aktien bezieht, ist es rechnerisch dasselbe, als wenn man die Aktien tatsächlich besitzen würde.

Im Normalfall kauft man sich einen länger laufenden Call und verkauft dann einen kürzer laufenden Call.

Kleines Beispiel dazu.

Man geht von steigenden Kursen aus.

Man sieht sich nun die Aktie XYZ an. Diese notiert bei 100 $.

Nun kauft man sich einen Call mit Laufzeit von 120 Tagen zu einem Strike von 100 $ (es ist auch üblich, Calls zu kaufen, welche im Geld sind. So könnte man auch einen Call kaufen, welche einen Strike bei 90 $ hat)

Zusätzlich verkauft man einen Call mit Strike 110 $.

 

Exkursion:

Verkauft man einen Call, verpflichtet man sich, 100 Aktien zu dem Strikepreis an den Optionskäufer zu verkaufen. Steht die Aktie am Ende der Laufzeit also bei 120 $ und mein Strike war 110 $, dann bin ich verpflichtet, die Aktie zu 110 $ an den Optionskäufer zu verkaufen.

Kauft man einen Call, hat man die Möglichkeit, den Basiswert zu dem Strikepreis vom Optionskäufer ausgehändigt zu bekommen. Haben wir also einen Call gekauft mit Strike 110 $ und der Kurs steigt auf 120 $, können wir jederzeit vom Optionsverkäufer verlangen, uns 100 Aktien des Basiswertes zu 110 $ zu verkaufen.

 

Sollte nun der der Kurs des Basiswertes nicht die 110 $ unseres verkauften Calls erreichen, verfällt dieser Wertlos und wir können wieder einen Call verkaufen.

Sollte der Kurs des Strikes unseres verkauften Calls erreicht werden oder überschritten werden, dann üben wir unseren eigenen gekauften Call mit aus, und realisieren den Kursgewinn von 100 $ bis 110 $ und nehmen ebenfalls die Prämie unseres verkauften Calls ein. Wir sind so auch gegen Gaps nach oben abgesichert.

Der gekaufte Call verhält sich genauso, als würden wir tatsächlich die Aktien besitzen.

 

Wofür wendet man ihn an und was sind die Vor- und Nachteile?

Den Poor Man’s Covered Call wendet man an, wenn man das Geld für 100 Aktien des Basiswertes nicht aufbringen will, aber trotzdem abgesicherte Calls verkaufen will. Den verkauft man nur Calls auf einen Basiswert, hat man ein sehr hohes Gap-Risiko. Stellt euch vor, ihr habt einen Call verkauft bei 100 $, die Firma soll nun plötzlich übernommen werden und Gapt auf 130 $… damit würdet ihr knapp 3.000 $ Verlust machen (30 $ Differenz * 100 Aktien)

Dies ist bei einem Covered Call ausgeschlossen, da man die Aktien selber besitzt, jedoch verschlingt dies viel Geld. Kauft man zusätzlich noch einen Call, bindet man sehr viel weniger Geld, hat aber die gleiche Absicherung, als würde man die Aktien real besitzen.

Dies ist aber auch gleichzeitig ein kleiner Nachteil.

Sollte die Aktie fallen, anstelle zu steigen, verliert unser gekaufter Call an Wert. Dies kann letztendlich soweit gehen, das er Wertlos wird.

Der größte Vorteil dieser Art des Handels ist aber der geringere Einsatz von Kapital.

Für den gekauften Call bezahlt man lediglich eine Prämie und hinterlässt etwas Margin. Dies ist aber nur ein Bruchteil von dem, was wir an Kapital einsetzten müssten, um 100 Aktien eines Unternehmens zu kaufen.

Somit können wir auch viel mehr Werte gleichzeitig handeln und diversifizieren unser Risiko, einen Verlierer dabei zu haben.

Jedoch sind wir bei dieser Strategie auf gleichbleibende bzw. bestenfalls steigende Kurse angewiesen. Wir stehen hier insoweit unter Druck, als das wir die gezahlte Prämie unseres gekauften Calls wieder verdienen müssen, indem wir Calls verkaufen.

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Wann eignet sich der Handel des Poor Man’s Covered Call am besten?

Die beste Zeit einen Poor Man’s Covered Call zu handeln ist, wenn die Volatilität weit unten ist. Am besten kann man dies im VIX sehen.

Warum ist eine niedrige Vola für uns von Vorteil? Dies hat zwei Gründe. Erstens wird dadurch unser gekaufter Call billiger, da wir keinen zu großen eingepreisten Risikoaufschlag bezahlen müssen. Zweitens, sollte die Vola plötzlich stark ansteigen, würde dies bedeuten, das auch unser verkaufter Call schnell teurer werden würde (das wäre schlecht für uns) aber unser gekaufter Call würde uns auch hier hedgen, denn auch er würde den Anstieg der Vola, über einen Anstieg des Preises, mitmachen.

Das wäre gut, denn so könnten wir unseren Call, welchen wir für vielleicht 100 $ gekauft haben, für 150 $ wieder verkaufen können, ohne das sich am Kurs des Basiswertes irgendwas getan hätte.

Zusätzlich eignet sich der Handel des Poor Man’s Covered Call vorallem, wenn man einen Basiswert handeln will, sich aber diesen nicht real ins Depot legen kann.

Es gibt viele, die möchten sich nicht die Möglichkeit nehmen lassen, von Kurssteigerungen zu profitieren. Wenn man aber nur Optionen wegen den Prämien handelt, wie ich dies zum Großteil mache, habe ich nichts davon, wenn ein Kurs steigt oder fällt, da ich nur maximal meine Prämie verdienen kann.

Bei einem Poor Man’s Covered Call aber besitzt man ja die Möglichkeit, einen Kursgewinn realisieren zu können. Dieser wäre zwar ebenfalls gedeckelt, aber immer gibt es diesen.

Nur für Dividendeninvestoren ist diese Art der Strategie nicht geeignet. Da man nur Optionen handelt, hat man keinen Anspruch auf Dividenden.

 

Warum ich den Poor Man’s Covered Call besser finde, als wenn man sein Geld direkt in Aktien steckt

Dies hat mehrere Gründe. Einerseits ist ein Grund natürlich, das man weit weniger Kapital einsetzten muss und ich kann trotzdem von Kurssteigerungen und von Prämieneinnahmen profitieren.

Ein weiterer Grund ist der maximale Verlust. Über diesen haben wir bisher noch gar nicht geredet.

Während man, sollte man eine Aktie direkt besitzen, das Risiko von plötzlich auftretenden Gaps nach unten trägt und dadurch der Verlust schnell hohe Ausmaße annehmen kann, ist der maximale Verlust bei einem Poor Man’s Covered Call von vornherein definiert.

Deshalb finde ich den PMCC auch besser, als einen normalen Covered Call.

Doch wie hoch ist nun unser maximaler Verlust?

Ganz einfach. Unser maximaler Verlust begrenzt sich auf die gezahlte Prämie unseres gekauften Calls, abzüglich der eingenommenen Prämie unseres verkauften Calls.

Egal was passiert, mehr können wir nicht verlieren.

 

Anmerkung:

Die komplette Vorgehensweise kann man auch mit Puts machen, wenn man auf fallende Kurse setzen möchte. Dies ist dann einfach der Poor Man’s Covered Put. Hierfür wird einfach ein länger laufender Put gekauft und ein kürzer laufender Put gekauft. Es ist das gleiche Spiel

 

Zum Schluss noch kurze Impressionen, welche den PMCC verdeutlichen sollen:

Hier sehen wir den Grundaufbau des PMCC

 

Hier sieht man, wenn der Kurs in der 1. Laufzeit gleich bleiben würde, könnten wir danach einfach wieder einen neuen Call verkaufen.

 

Hier kann man nun erkennen, was passieren würde, wenn der Kurs über unserer Strike des verkauften Calls steigen würde. Wir würden die Prämie des Calls einnehmen und zusätzlich den lila markierten Bereich als Kursgewinne realisieren können. Von dem Ganzen müsste man nun aber noch die gezahlte Prämie für den gekauften Call abziehen, da wir bei diesem uns die Akrien liefern lassen müssen, um unseren eigenen verkauften Call bedienen zu können.

 

Zum Schluss noch, was passieren würde, wenn die Aktie stark fallen würde. Hier würden wir als Verlust die gezahlte Prämie für den gekauften Call, abzüglich unserer eingenommen Prämie von unserem verkauften Call, als Verlust haben. Mehr nicht!

 

Solltet ihr euch noch tiefer in die Materie der Optionen einlesen wollen, kann ich das Buch von Jens Rabe wärmstens Empfehlen.

*

Chartbilder wurden mit ProRealTime erstellt

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Kommentare (10)

  1. Die Strategie fahre ich selber momentan mit Lufthansa. Hab mir dafür vor längerem schon 2 Calls gekauft mit Laufzeit 12/2018 die weit im Geld waren.

    Ich persönlich finde aber, dass der PMCC kein Modell zur Risikominimierung im Allgemeinen ist. Denn
    a) ich kaufe einen ITM Call: Dann kann ich durch einen GAP nach unten den Call „verlieren“
    b) OTM Call: Durch GAP nach oben verliere ich den Preisunterschied bis zum gewählten Long Strike.
    c) ITM Call und kein GAP nach unten und Short Strikie nicht erreicht: ich verliere nichts
    d) OTM CALL und kein GAP nach oben und Short Strike nicht erreicht: ich verliere nichts

    Im Falle von a) und b) mache ich auf jeden Fall Verlust, welcher nur dadurch begrenzt wird, dass ich mir im Vorfeld einen maximal-GAP ausgedacht habe, den ich bereit bin einzugehen.
    Bsp: Aktie steht bei 100€, ich bin bereit, +/- 10 Euro GAP hinzunehmen.
    Dann stellt sich aber für mich die Frage, wie wahrscheinlich ist es denn, dass eine Aktie über Nacht eine Preisbewegung mit mehr als +/- 10 Euro macht?
    Könnte Peugeot z.b. einfach mal so über Nacht eine VW Übernahme ankündigen, und dadurch über Nacht einen derartigen GAP auslösen?
    Für dieses (aus meiner Sicht minimale) Restrisiko ist man dann bereit Long Positionen einzugehen und im Falle von OTM Calls hohe zeitwerte zu bezahlen.

    c) & d) in diesen Fällen wäre eine Risikoabsicherung nicht nötig gewesen und hat nur unnötig Geld gekostet.

    Deshalb habe ich das Gefühl, dass der PMCC eher zur Risikoabsicherung von Positionen auf Underlyings gut ist, welche eine hohe Vola haben und/oder nach einem Absturz den Boden gefunden haben und vor dem Turnaround stehen.
    Aber auch da nicht unbedingt zur Absicherung eines GAPs, sondern eher als Absicherung gegen unvorhergesehene Nachrichten (Übernahmen, neue Investoren, beteiligungen, etc.).

    Bei Airbus verkaufe ich hingegen uncovered Calls, weil ich da kein GAP Risiko sehe. Zumindest keins, welches ich nicht auch in die andere Richtung habe.

    Ein Cash secured Put hat ja das gleiche GAP Risiko wie ein uncovered Call. Und damit der uncovered Call mehr Verlust macht als der Put müsste die Aktienpreis sich mehr als verdoppeln. Über Nacht.

    Ich hoffe, dass meine Einschätzungen diesbezüglich richtig sind. EIn mumliges Gefühl bleibt manchmal übers Wochenende trotzdem 😀

    Antworten
  2. Super Beschreibung der Strategie. Ich möchte hier nur 2 Punkte anmerken:

    Punkt 1: Wenn ich die Aktien direkt kaufe, muss ich nicht 100% Kapital hinterlegen sondern nur 25% (Margin Konto).

    Punkt 2: Wenn ich die Aktien im Depot habe, spare ich mir jedes mal den Zeitwert des Long-Calls den ich alternativ kaufen müsste. Das summiert sich extrem.

    Ansonsten toller Artikel, bin gespannt auf deine Erfahrungen! 🙂

    VG, Rico

    Antworten
    • HAllo Rico,

      da hast du natürlich recht. Jedoch trägst du auch ein undefiniertes Risiko mit dir mit. Sobald die Aktie Gapt, hast du einen hohen Buchverlust. Die Optionen haben hier den großen Vorteil, das man von vornherein weiß, welchen Verlust man maximal ertragen muss 🙂
      Aber sonst hast du natürlich recht, das man aufpassen muss, nicht zu viel Zeitwert zu bezahlen.

      Antworten
  3. Interessante Idee. Vielen Dank für das Teilen.
    Bisher habe ich auch nur den Covered Call mit Aktien im Depot gehandelt.

    Hast du mal kalkuliert welche Performancesteigerung durch den Poor Man’s Covered Call möglich ist oder geht es darum gar nicht?

    Antworten
    • Hallo Martin,

      ich denke so einen Vergleich zu machen ist schwierig als Backtest. Dadurch das man mehr Geld zur Verfügung hat, als wen man einen klassischen covered Call macht, hat man die Möglichkeit, viel mehr Werte gleichzeitig zu handeln. Dies kann, muss aber keine Vorteile bringen. Man wird jedoch in steigenden Märkte mehr Geld verdienen, da man eigentlich gehebelt handelt. Sollte der gesamtmarkt korrigieren, kann es aber durchaus sein, das man halt auch mal einen größeren Verlierermonat hat.

      Antworten
  4. Hi Martin

    Super Artikel, wär cool wenn du später einen Beitrag über deine Erfahrungen schreiben kannst wenn du einen PMCC gehandelt hast.
    Nach welchen Regeln wählst du die infrage kommenden Basiswerte aus ?

    Lg Michael

    Antworten
    • Grüß dich Michael,

      die Basiswerte sollten eine geringen IVR aufweisen. Außerdem sollten die Optionen möglichst wenig Zeitwert besiten, bzw. möchteich möglichst wenig Zeitwert kaufen.
      Das Hauptproblem welches ich hier momentan habe ist, das ich mich für eine Richtung entscheiden muss. Dazu werde ich wahrscheinlich das BBTM-Modell ranziehen und etwas verschärfen. Dazu würde aber noch ein Praxisartikel kommen, sobald ich eigene Erfahrungen gemacht habe.

      Antworten
  5. Sehr schön beschrieben!

    Es kommt darauf an welchen Ansatz man mit Optionen verfolgt.
    Für mich ist es nichts, da es bedeuten würde, dass ich im schlimmsten Fall einen Verlust realisieren müsste am Ende der Laufzeit des Calls. Wie du weißt versuche ich jeden Verlust zu vermeiden.

    Aber für dich als Vollblut Optionshändler kann das natürlich Sinn ergeben.

    mfG Chri

    Antworten
  6. Hallo Martin,
    danke für dein Beitrag. Was ist mit dem Zeitwert? Wird der gekauft Call nicht immer viel teurer sein? Hast du die Strategie mal angewendet?

    Beste Grüße
    Jan

    Antworten
    • Richtig, der gekaufte Call wird immer teurer sein. deshalb muss man versuchen, über die eingenommenen Prämien, diesen Zeitwert wieder rein zuholen. Es hilft natürlich auch, Werte zu suchen, welche einen niedrigen Zeitwert aufweisen.

      Selber angewendet habe ich die Strategie noch nicht, werde aber wohl demnächst damit anfangen, da ich momentan keine Werte finde, welche ich nach meiner eigentlichen Strategie handeln kann.

      Antworten

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