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Earnings Season handeln – Praxiserfahrungen

Heute möchte ich euch an meinen bisherigen Erfahrungen an den Earnings dran teilhaben lassen.

Die Halbzeit bei der Season ist erreicht und es sollten nun wieder weniger Trades dadurch zustande kommen. Die Season geht noch ca. 2 Wochen, danach wird es spürbar weniger an Unternehmen, welche ihre Berichte veröffentlichen.

Ich selber werde aber schauen, ob sich Earnings auch außerhalb der eigentlichen Season handeln lassen.

Wenn du noch nicht wissen solltest, wie man die Earnings Season handelt oder was das eigentlich ist, ließ dazu bitte  diesen Artikel.

 

Der Text heute wird wahrscheinlich besonders lang werden, da ich euch komplett an meinen Erfahrungen dran teilhaben lassen möchte und dadurch auch in die Tiefe gehen werde.

Ihr erfahrt also heute:

  • Was für Fehler habe ich gemacht?
  • Was lerne ich daraus?
  • Wie suche ich in der Praxis nach Kandidaten und wie lange dauert dies?
  • Was ist, wenn ich nicht genug Margin frei habe, um alle möglichen Trades einzugehen?
  • Wie handelt man Aktien wie Google oder Apple, die eine Margin von über 10.000 € verlangen?
  • Beispiel Volacrash an Amazon
  • Resümee
  • Frage an die Community

 

Ich möchte dazu gleich sagen, das ich natürlich nicht der Erfinder von dieser Art von Handel bin. Die Strategie an sich habe ich von Jens Raabe. Dieser ist im deutschsprachigen Raum der Mann, wenn es um Stillhalterstrategien geht. Er hat auch sehr viele kostenlose Videos auf Youtube.

Kommen wir nun endlich zum eigentlichen Artikel.

 

Was für Fehler habe ich in der Earnings Season gemacht?

Der erste Fehler ist mir schon fast peinlich^^ Wie fang ich da an, diesen zu erklären? Ich mach es vielleicht ganz einfach und sage, ich war zu blöd die TWS richtig zu nutzen 🙂

Ich wollte eine kombinierte Optionsorder (Strangle) eingeben und diese verkaufen. Sowas hatte ich vorher noch nicht gemacht. Was ich nicht wusste, wenn ich den Call und den Put des Stangles verkaufen will, muss ich den Strangle kaufen. Versteh ich persönlich immer noch nicht, ist aber so. Naja, ich bemerkte den Fehler, das ich Optionen gekauft und nicht verkauft hatte und schloss diese Positionen sofort wieder. Naja, gleich danach machte ich wieder denselben Fehler… Ich schloss auch die zweite falsche Position sofort wieder und jetzt Achtung!

Ich habe nun 4 Daytrades getätigt gehabt! Zuvor hatte ich mein Konto gesplittet, um meine Strategien besser voneinander unabhängig auswerten zu können und ich handle fast ausschließlich den amerikanischen Markt. Wisst ihr was das bedeutet? Das Konto, auf welchem ich diese Trades getätigt hatte, wurde sicherheitshalber von Captrader gesperrt! Warum? Um mich zu schützen! Stichwort ist hier, Pattern Daytrader.

In Amerika darf man pro Woche nur eine gewisse Anzahl an Daytrades tätigen, wenn das Konto nicht mindestens 25.000 $ groß ist. Durch meinen Splitt des Kontos bin ich unter diese Schwelle getreten. Nun habe ich 4 Daytrades getätigt und Cap hat dieses eine Handelskonto daraufhin gesperrt. So konnte ich nicht den 5. Daytrade tätigen (dieser hätte zu einer Handelssperre über 6 Monate geführt)

Naja, lange Rede, kurzer Sinn. Ich habe mein Geld auf mein anderes Konto transferiert und damit weitergehandelt. Mein gesperrtes Konto ist auch wieder Handelbar und freigegeben. Trotzdem hat mich dies neben Geld, auch Zeit gekostet. Sowas hätte nicht passieren dürfen. Aber ich sehe es auch positiv. So kann ich euch davon berichten 🙂

 

Der zweite Fehler hatte eher etwas mit mangelnder Organisation zu tun und wurde recht schnell abgestellt, indem ich eine Checkliste erstellt habe. Und zwar ist es ja so, das man versucht, so spät wie möglich die Optionen bei Earnings zu verkaufen, da die Vola meist immer weiter ansteigt.

Dabei muss man darauf achten, wann die Earnings erscheinen. Vor Börsenbeginn oder erst nach Börsenschluss? Ich habe in der ersten Woche teilweise einen Tag zu früh meine Optionen verkauft. Ich screene bei den Earnings immer nur den kommenden Tag. Wenn vor Börseneröffnung die Earnings kommen, muss ich meinen Optionen am Tag des scrennens verkaufen. Sind die Earnings erst nach Börseneröffnung, verkaufe ich die Optionen erst einen Tag nach dem Screenning.

Vielleicht ein kleines Beispiel dazu.

  • Montags screnne ich nach Earnings für den Dienstag
  • Finde ich nun ein Unternehmen, welche Dienstag vor Börseneröffnung die zahlen bringen, muss ich noch am Montag Optionen darauf verkaufen
  • Bringt ein Unternehmen am Dienstag erst nach Börsenschluss seine Zahlen, muss ich auch erst am Dienstag Optionen darauf verkaufen

 

Der dritte Fehler waren teilweise zu lange Laufzeiten für diese Strategie. Normalerweise nimmt man den am nächsten liegenden Verfallstag. Eine Woche drauf geht auch noch, finde ich. Jedoch habe ich, gerade bei den ersten Trades, Unternehmen genommen, bei denen ich eine Laufzeit bis in den Februar hinein gewählt hatte. Dies war zu lang und hat Margin blockiert.

 

Was lerne ich aus diesen Fehlern?

Kommen wir zu Fehler Nummer 1.

Ich kontrolliere nun, bevor ich einen Trade an die Börse sende, noch einmal genau ob ich verkaufe oder kaufe! Ich habe hier also eine Kontrollfunktion eingeführt, sodass mir sowas nicht noch mal passiert.

 

Fehler Nummer 2

Wie bereits erwähnt, habe ich hier eine Checkliste erstellt, an der ich mich entlanghangele und auch eintrage, wann die Earnings veröffentlicht werden. Die Checkliste habe ich euch unten zum Download bereitgestellt.

 

Fehler Nummer 3

Hier habe ich eine einfache Regel aufgestellt. Bei den Earnings sollten die Laufzeiten nicht länger 10 Tage sein.

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Wie suche ich in der Praxis nach Kandidaten und wie lange dauert dies?

Kommen wir zuerst zum Zeitaufwand. Wie lange benötige ich, um ca. 30 Werte durchzugehen? Warum gerade 30? Mehr musste ich noch nicht gleichzeitig durchgehen.

Ich brauche maximal 20 Minuten. Eher weniger, da ich sehr standardisiert vorgehe.

 

Nachdem die Frage nach der Zeit geklärt ist, kommen wir noch zum wie.

Hierbei gehe ich immer nach dem gleichen Schema vor!

  1. Auf Finviz nach Kandidaten scrennen, welche am nächsten Tag ihre Berichte veröffentlichen
  2. Auf dough alle Werte eingeben und schauen, bei welchen der IVR mindesten 40% beträgt
  3. Auf EarningsWhispers schauen, wann die Berichte veröffentlicht werden (vor Börseneröffnung oder nach Börsenschluss)
  4. Die übriggebliebenen Werte in der TWS eingeben und schauen, ob die Prämien lohnen an den angedachten Strikepreisen
  5. Orders eingeben

In der Checkliste findet ihr auch nochmal eine genaue Anleitung dazu, sowie meine Einstellungen bei Finviz. Solltet ihr noch keinen Account bei dough haben, könnte das ein Problem sein, da dough keine neuen Anmeldungen annimmt aktuell.

Hier muss ich mich leider erst noch informieren, wann die neue Seite für alle online geht.

 

Was ist, wenn ich nicht genug Margin frei habe, um alle möglichen Trades einzugehen?

Dies ist ein Problem, mit dem ich mich tatsächlich mehrmals konfrontiert sah. Es gab mehrere Kandidaten, welche handelbar gewesen wäre, aber ich konnte nur ein oder zwei handeln, da meine Margin dann an ihrer Grenze angelangt wäre.

Wie bin ich hier vorgegangen?

Zuerst habe ich meine bestehenden Positionen angesehen und geprüft, ob ich welche schließen kann, um Margin frei zu bekommen.

Sollte das Schließen von Positionen nicht sinnvoll gewesen sein oder nicht ausreichend Margin freigelegt haben, habe ich mir meine Kandidaten angesehen. Hier habe ich nachgesehen, wieviel Margin jeder Kandidat bei einem Trade binden würde und welche Prämie ich erhalten hätte. Ebenso habe ich auf die Laufzeit geachtet.

Diese Punkte werden auch in der Checkliste abgefragt.

Nun habe ich die Rendite auf die Margin errechnet. Also Prämie / Margin * 100. Die Trades mit der höchsten Rendite bin ich eingegangen. Dabei war ein zusätzlicher Filter die Laufzeit. Ich bin eher einen Trade mit Laufzeit von z.B. 3 Tagen eingegangen und einer Rendite von 5%, als einen Trade mit Laufzeit z.B. 17 Tage und einer Rendite von 7 %. Dies liegt einfach daran, das bei geringerer Laufzeit, meine Margin nicht so lange gebunden wird.

 

Wie handelt man Aktien wie Google oder Amazon, die eine Margin von über 10.000 € verlangen?

Vor einer weiteren Herausforderung steht man, wenn solche Brocken ihre Earnings bringen wie z.B. Google oder Amazon. Die Marginanforderung ist hier bei 12.000 € bis 15.000 €. Wie soll man diese handeln?

Hier hat mich Chris auf die Lösung gebracht. Diese ist so einfach, das ich im ersten Moment nicht selber drauf gekommen bin.

Um die Margin stark zu senken, muss man hier Spreads handeln bzw. einen Iron Condor aufsetzten. Das bedeutet, das man Optionen verkauft und Optionen zur eigenen Absicherung hinzukauft. Dadurch wird das Risiko gesenkt und dies macht sich in der Margin bemerkbar. Ich selber lege dabei keinen Iron Condor direkt auf, sondern einen vertical Call Spread und einen vertical Put Spread. Zusammen ergeben die beiden einen Iron Condor, sind aber einfacher zu Händeln.

Ein kleines Beispiel dazu.

Amazon stand bei 830 $. Ich habe einen Call bei ca. 890 $ verkauft und gleichzeitig einen Call bei ca. 910 $ gekauft. Dadurch das der gekaufte Call weiter aus dem Geld ist, als mein verkaufter Call, mache ich trotzdem Gewinn und kann durch diesen einfachen Trick die Marginanforderung von 12.000 € auf nur noch 2.000 € senken.

 

Hier möchte ich euch auch nochmal ein Bild eines Volacrashes zeigen. Den Trade bei Amazon bin ich am 02.02.2017 eingegangen. Nach Börsenschluss kamen die Zahlen. Hier muss ich auch noch sagen, das Amazon nachbörslich gefallen ist, was ebenfalls Vorteilhaft für mich ist. Hier der Stand der Position am 03.02.2017. Wie man sieht hat meine verkaufte Option in nur einem Tag 92,29% an Wert verloren. Wie Mr. Burns sagen würde “Ausgezeichnet”

 

 

Resümee

Wie ist nun mein momentanes Resümee der Earnings Season? Ich muss sagen, es funktioniert. Wenn man seine Optionen weitgenug aus dem Geld verkauft, bringen einem auch keine Gaps zur sehr ins Schwitzen. Bei Amazon wollte ich auch einen Put verkaufen, jedoch habe ich für meinen Preis keinen Käufer gefunden. Mein Put hätte einen Strike von 790 $ gehabt. Dieser würde zwar am 03.03. etwas unter Druck geraten, wäre aber noch im gelben Bereich. Verfall wäre am 10.02. hier müsste man einfach etwas beobachten.

Ansonsten läuft es. Die Volacrashs setzen ein, sowie auch die Preise vor den Earnings anziehen. Natürlich geht auch mal ein Trade in die Hose. So musste ich einen Call sehr teuer zurückkaufen, was aber nur meine Einnahmen verringerte. Im Februar sieht es schon besser aus, da hier bisher kein Trade schief gegangen ist.

 

 

Hier noch der Download der Excel-Datei für die Earnings Trades.

 

Zum Schluss noch eine kleine Umfrage. Die Umfrage werde ich zwei Wochen laufen lassen, also bis zum 20.02.2017.

 

Wollt ihr über Trades bei der nächsten Earnings Season informiert werden?

  • Ja, Poste die Trades in deinem Blog (75%, 12 Votes)
  • Ja, richte dazu bitte einen Newsletter ein (13%, 2 Votes)
  • Ja, Poste deine Trades bitte über Facebook (6%, 1 Votes)
  • Nein, ich habe kein Interesse daran (6%, 1 Votes)

Total Voters: 16

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Kommentare (7)

  1. Hallo Martin,

    danke für deine Erfahrungsberichte! Bei deinem Problem mit den Kombinationsorders in der TWS musste ich laut lachen. Ich habe mich sofort wiedererkannt 😉 Für mich ist da auch nie ersichtlich, ob ich grad kaufe oder verkaufe.

    Ich habe es einmal versucht, dabei genau wie Du einige Dollar verbrannt und dann fluchend aufgegeben. Seitdem verkaufe ich alle Legs einzeln. Ich handle eine modifizierte Straddle Strategie, bei der ich jeweils vier Optionen verkaufe. Das klappt auch manuell wunderbar und ich fühle mich mehr als Herr des Geschehens. Und weiß vor allem, was ich tue 😉

    Viel Erfolg weiterhin!

    Antworten
    • Die TWS ist leider nicht einsteigerfreundlich, das musste ich da wieder feststellen 😉

      Auch ich gehe mehr dazu die Orders einzeln aufzugeben. Ich finde das lässt sich auch schöner managen.

      Nach der Season werde ich wieder meine Erfahrungen teilen. Diese geht ja ende April dann wieder los.

      Antworten
  2. Danke für den Artikel, immer wieder interessant zu lesen, wie andere die Themen angehen. Folgendes kann ich nicht nachvollziehen:

    “Was ich nicht wusste, wenn ich den Call und den Put des Strangles verkaufen will, muss ich den Strangle kaufen”

    In der TWS kann man ganz simpel über Rechtsklick – Kombinationen einen Strangle verkaufen. Bist du dir sicher, dass du dich nicht einfach verklickt hattest?

    Beste Grüße

    Antworten
    • Beziehungsweise nicht verklickt. Wahrscheinlich hast du Short Strangle ausgewählt. Den muss man tatsächlich kaufen, damit du shortest. Beim Strangle musst du lediglich verkaufen.

      Die Logik dahinter stimmt schon. Aber es ist halt unnötig einen short Strangle auszuwählen.

      Antworten
      • Ja das stimmt. Leider hatte ich mich da halt total verhaspelt. Naja, zum Glück war das kein Weltuntergang und wird mir zukünftig nicht mehr passieren 🙂

  3. Hi Martin,

    man merkt du hast dich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt und handelst sehr diszipliniert. Weiter so!
    Kleiner Tipp, du kannst auch bei finviz herausfinden wann die Berichte veröffentlicht werden (Today after Market close, Today after Market open). So sparst du die earnings whispers.

    Lg Michael

    Antworten

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